Walter Gramatté - Hamburg

Maler der verschollenen Generation

Das Ernst-Barlach-Haus in Hamburg ehrt den vergessenen Maler und Zeichner Walter Gramatté mit einer Retrospektive.

Viel Zeit war Walter Gramatté nicht vergönnt. Als ihn im Alter von 32 Jahren ein langes, quälendes Leiden tötete, waren ihm gerade 15 Jahre geblieben, um ein zutiefst berührendes, künstlerisch zwischen Expressionismus und Symbolismus angesiedeltes Werk zu hinterlassen. Dieser früh vollendete Maler konnte nie die Berühmtheit von Künstlern erreichen, wie sie etwa sein Freund Karl Schmidt-Rottluff erlangte. Eine Gemeinschaftsausstellung vom Kirchner-Museum in Davos und dem Ernst-Barlach-Haus in Hamburg holt den Maler dieser verschollenen Generation jetzt eindrucksvoll ans Licht der Öffentlichkeit.

Gramatté hat fast ausschließlich Menschen gemalt – sehr häufig sich selbst und seine Ehefrau Sonia, eine Musikerin. Und es fällt auf, dass es, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die Müden, die Kranken, die Erschöpften und die Resignierten sind, die er mit Öl- oder Aquarellfarben, mit dem Zeichenstift und im Holzschnitt darstellte. Der Dienst im Ersten Weltkrieg hatte seine Denk- und Sehweise radikal geprägt und hatte ihn körperlich ruiniert – eine Rückgratverbiegung und eine Muskelverletzung im rechten Arm hinderten ihn oft am Malen und quälten ihn bis zum Lebensende.

Viele Künstler wurden von den Schrecken des Kriegs politisiert oder radikalisiert. Für Gramatté dagegen war der Krieg "weniger Menschenwerk als schicksalhaftes, die Verlorenheit offenbarendes Verhängnis, das persönliche Zweifel und Ängste dunkel überwölbte", so Karsten Müller, Leiter des Barlach-Hauses, im Katalog. Gramatté zeigt in seinen Bildern "Ausgesetzte und Preisgegebene – von Angst zerfressen oder irrsinnig, bange wartend, krank oder traumverloren".
Die Körperhaltungen der Dargestellten erinnern an die Modelle des ebenfalls jung gestorbenen Egon Schiele (1890 bis 1918): Die Hände, ineinander verkrampft, sind groß und dominierend, die Körper in verzerrten, angestrengten Posen verbogen, Blicke suggerieren Entsetzen, Ratlosigkeit, Hilflosigkeit.

Die wenigen Landschaften sind nur selten in sonnigen Farben gehalten, häufig dominiert das fahle Blau nächtlicher, schwach beleuchteter Straßen. Allein die prächtigen Meeresstädte Barcelona und Cádiz, wo er einige Zeit gelebt hatte, scheinen ihn mit dem Leben ein wenig versöhnt zu haben. Von Tuberkulose geschwächt, verbrachte Gramatté die letzten Lebensjahre in Krankenhäusern. Er starb 1929, seinen Grabstein entwarf Karl Schmidt-Rottluff.

"Walter Gramattée"

Termin: bis 1. Februar 2009. Katalog: DuMont Buchverlag, 29 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.
http://www.barlach-haus.de