Sylvie Fleury - Genf

Reisen ins Niemandsland

Unter einem völlig bizarren Motto stellt die Schweizer Multimediakünstlerin Sylvie Fleury im Genfer Musée d’Art Moderne et Contemporain aus.

"Paillettes et Dépendances ou la fascination du néant" ("Flitter und Abhängigkeiten oder die Faszination der Nichtigkeit" – kryptischer geht’s wohl kaum noch. Sylvie Fleury selbst hat dieses Wortungetüm als Motto über ihre gigantische One-Woman-Show im Musée d’Art Moderne et Contemporain im schweizerischen Genf gesetzt.

Und irgendwie passt dieses verrückte Motto zu einer der schillerndsten Personen der Gegenwartskunst. Damit nicht genug: Die Schweizer Ausstellungsmacher meinen, die Ausstellung könne auch "Wasser und Gas auf jeder Etage" heißen, oder etwa "Reisen ins Niemandsland" – so groß sei die "Mannigfaltigkeit und die Themenpalette" von Sylvie Fleury.

Auf allen vier Stockwerken des Hauses hat Sylvie Fleury über 200 Arbeiten zusammengetragen, ältere Werke ebenfalls wie einen respektablen Block ihrer neuesten Produktion. Die Vielfalt reicht von Gemälden und Skulpturen über Videos, Fotos, Klanginstallationen bis zu Environments. Alle ihre Hauptthemen sind vorhanden: Mode mit allem was dazu gehört, die Welt der Automobile, die Eroberung des Weltraums – Raketen und fliegende Untertassen sind über das ganze Haus verteilt.

Alles in allem okkupieren die Werke von Sylvie Fleury rund 3000 Quadratmeter – Wände, Decken und Fußböden. Zu den frühen Arbeiten zählen ihre mit unausgepackten Luxusgütern vollgestopften "Shopping Bags" (Einkaufstüten) oder ihre riesigen, irisierenden "Pilze", eine Hommage an Pilzliebhaber John Cage. Aus dem Jahr 2000 stammen Fleurys "Dog Toys", ins Überdimensionale aufgeblasene Hundespielzeuge, die so zu eigentümlichen Monstern mutieren.

Auch berühmte Kollegen werden von Sylvie Fleury einer Spezialbehandlung unterzogen: Daniel Burens strenge Streifen lässt deformiert sie und lässt sie zu absurden Formen anschwellen, in anderen Arbeiten bezieht sie sich auf die "Concetti Spaziali" von Lucio Fontana, auf die Op Art von Victor Vasarely und auf den Minimalisten Carl André – ihr Beitrag zur Appropriation Art.

"Paillettes et Dépendances ou la fascination du néant"

Termin: bis 25. Januar 2009, Musée d’Art Moderne et Contemporain, 10, rue des Vieux-Grenadiers, Genf
http://www.mamco.ch/