Medium Religion - ZKM Karlsruhe

Göttliche Botschaften

Ist der Glaube reine Privatsache? Nein, meint Boris Groys. Die Religion hat längst die Massenmedien erobert. Mit Videos und technisch reproduzierten Bildern werden ihre Botschaften in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht – oft auch zu Propagandazwecken. Die Karlsruher Ausstellung "Medium Religion" widmet sich politisch-religiösen Konsumwelten.

Der Karlsruher Kunstwissenschaftler Boris Groys will dem Phänomen der politisch-religiöse Propaganda nachgehen. In der Ausstellung "Medium Religion", die er mit Peter Weibel für das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe entwickelt hat, verdeutlichen machtvolle Filme und verstörende Fotografien von Krieg und Tod, wie sehr der Mensch als Konsument bereits an der politisch-religiösen Bilderwelt teilnimmt.

Hier treffen sich Kunst und Wirklichkeit: So werden Beispiele gezeigt, wie radikaler Islam oder evangelikale Kirche sich in den Medien darstellen – flankiert von künstlerischen Beiträge, die die Religionen kritisch hinterfragen.
In Zeiten des Karikaturenstreites ein explosives Thema. Groys erwartet allerdings keine Skandale, da die Ausstellung nicht von außen "direkte Attacken" auf Religionen formuliere und die künstlerischen Arbeiten aus dem Kontext der jeweiligen Kulturen und Ländern kämen. "Mich hat beeindruckt, wie hoch der Grad der Reflexion ist", sagt Groys, "wie kritisch man zum Beispiel mit den Bildern des heutigen Islam umgeht."

Die Arbeiten der mehr als 20 internationalen Künstler reagieren auf ganz unterschiedliche Weise auf das "religiöse Propagandamaterial", wie Groys es nennt. In dem halbdokumentarischen Video "The Sleep of Reason: This Blood Spilled in My Veins" (2002) zeigt der libanesische Künstler Jalal Toufic, wie Tiere in einem schiitischen Ritual blutigst geopfert werden. Der in Amerika lebende Chinese Paul Chan hat die Katastrophe vom 11.September dagegen abstrahiert: In seinem Video "1st Light" (2005) fallen die schwarzen Schatten der Menschen nicht nur herunter, sondern steigen auch gen Himmel auf.

Um das Gefälle zwischen göttlicher Botschaft und Alltag geht es Wael Shawky aus Ägypten in "The Cave" (2006): Er geht durch einen Supermarkt und zitiert dabei Koranverse, um auf das Verhältnis zwischen Religion und Kapitalismus hinzuweisen.

Mit Material von Martin Oversohl, dpa

"Medium Religion"

Termin: bis 19. April 2009, ZKM / Museum für Neue Kunst, Lorenzstraße 19, Karlsruhe.
http://www02.zkm.de/mediumreligion/

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