Robert Lebeck - Berlin

Möglichst unauffällig abdrücken

Bekannt wurde Robert Lebeck vor allem mit seinen Star- und Politikerporträts zum Beispiel von Romy Schneider, Willy Brandt, Elvis Presley oder Joseph Beuys sowie seinen Reportagen. Mit der ersten großen Werkschau dokumentiert der Berliner Martin-Gropius-Bau die Arbeit eines Zeitzeugen mit der Kamera, der den Bildjournalismus im Nachkriegsdeutschland geprägt hat.

Für ausgefeilte Inszenierungen hatte Robert Lebeck nie viel übrig. Statt dessen folgte er einer simplen Arbeitsphilosophie: "Mit kleinem Gepäck reisen, aufmerksam umherstreifen und dann möglichst unauffällig abdrücken".

So wurde der 1929 geborene Berliner, dessen Karriere Mitte der fünfziger Jahre als Frankfurter Büroleiter der Münchner Illustrierten "Revue" begann, über die Gren­zen der Bundesrepublik hinaus zur Figur der Fotografiegeschichte. Denn für die Springer-Illustrierte "Kristall" und wenig später für "Stern" und "Geo" war Lebeck ab Anfang der Sechziger fast vier Jahrzehnte lang oft dort zur Stelle, wo Weltgeschichte geschrieben wurde.

Zu seinen berühmtesten Bildern zählen die schönen Schwestern Jackie Kennedy und Lee Radziwill, die im Juni 1968 am Sarg von Robert Kennedy trauerten, oder der barhäuptige Revolutionsführer Khomeini, den die frenetische Masse bei seiner Rückkehr nach Teheran 1979 so ungestüm feierte, dass dieser im Gedränge seinen schwarzen Turban verlor.

Lebeck hielt Distanz zum Pulk der Agenturfotogra­fen und ihrer standardisierten Bildsprache wie auch zu den Paparazzi. Lieber wartete er geduldig auf den Zufall, die ungezwungene Geste oder das Vertrauen sei­nes Gegenübers, das ihm jenes "andere" Foto bescherte. Zuweilen wollten die Abgelichteten selbst nicht glauben, was der Fotograf zuwege brachte. So soll der spätere Bundeskanzler Helmut Kohl einen Schnappschuss, der ihn 1974 in napoleonischer Pose vor dem Washingtoner Capitol zeigt, entrüstet als Fälschung abgetan haben. Doch trotz seiner Popularität galt Lebeck beim "Stern", wo er 1994 nach rund 30 Jahren seinen Ab­schied nahm, immer als der Fotograf mit den geringsten künstlerischen Ambitionen. Die Retrospektive im Berliner Gropius-Bau gibt Gelegenheit zur Revision.

"Robert Lebeck: Fotografien 1955–2005"

Termin: bis 23. März 2009. Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, Ecke Stresemannstr. 110, Berlin. Katalog: Steidl Verlag, Paperback, 12 Euro.
http://www.gropiusbau.de

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