Best of Austria - Lentos Kunstmuseum

Selbstdarstellung im Bonsaiformat

Mit je drei "besten Stücken" präsentieren sich 30 österreichische Museen im Lentos-Kunstmuseum in Linz. Bei der Auswahl hat Direktorin Stella Rollig den Kollegen völlig freie Hand gelassen: der so entstandene "Schatzhaufen" ist ein Beitrag zum Programm der Kulturhauptstadt Linz 2009.

"Natürlich sind ein paar Sachen dabei, von denen man sich wünscht, man hätte sie nicht bekommen", gesteht Stella Rollig, Direktorin des Lentos-Kunstmuseums. Welche das sind, wer­de sie jetzt aber sicher nicht verraten, schließlich ist sie eine höfliche Gastgeberin und sozusagen selber schuld.

Sie wollte bei ihrem Beitrag zum Programm der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 das Heft "des autoritären Kunsthistorikers" einmal abgeben und bat die wichtigs­ten österreichischen Museen und Firmensammlungen um je drei repräsentable Leihgaben. Ursprünglich, so Rollig, stamm­te diese Idee von Linz-09-Intendant Martin Heller. "Best of Austria" heißt die kun­terbunte Sammlungsausstellung auch noch reißerisch wie eine Hitparade.

Nach welchen Kriterien wählen die einzelnen Institutionen die drei "besten Stücke" aus, um sich zu repräsentieren? Nach den persönlichen Vorlieben des Direktors? Der Versicherungsliste, also nach dem finanziellen Wert? Nach dem ideologischen? Oder gar nach einem eigens erdachten Konzept wie das Salzburger Museum der Moderne, das eine Art Miniausstellung zum Thema Volumen schickt und dazu eine Skulptur von Wotruba-Schüler Joannis Avramidis, ein Diptychon des jungen Malers Christian Hutzinger und eine Fotoserie von Superstar Erwin Wurm ausgewählt hat?

"Es ist kein intellektuelles Konzept"

Rund 30 derartige Bonsai-Selbstdarstellungen darf Rollig jetzt im großen Saal ihres Hauses so miteinander arrangieren, dass sie überraschende Bezüge zueinander aufweisen oder auch ein­fach nur gut nebeneinander aussehen – vom Kunsthistorischen Museum Wien, dem Filmmuseum, dem Belvedere bis zu den Firmensammlungen der Energielieferanten EVN und Verbund oder den Privatkollektionen von Francesca von Habsburg und Karlheinz Essl.

Einfach rund 100 "Lieblingswerke", die einmal keinen festgelegten Kanon präsentieren, sondern denen in diesem Schatzhaufen gar nichts anderes übrig bleibt, als erst einmal ganz für sich allein zu stehen – und dann erst für ihr Institut. Was wohl hängen bleiben wird von dieser zufälligen Zusammenstellung, die vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht? "Es ist kein intellektuelles Konzept", räumt Rollig, die sonst in Linz selbst nicht ganz unangefochtene Konzeptkunst-Verfechterin, auf verwunder­tes Nachfragen ganz direkt ein. "Diese Aus­stellung gibt nur im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs einen Sinn, da kann ich sie auch vertreten." Gab es ei­ne Dreiergruppe, die sie wirklich über­rascht hat? Ja, die Auswahl der Al­bertina. Nicht, dass Stella Rollig unbedingt mit Dürers "Feldhasen" gerech­net hatte. Aber mit Holz­schnit­ten von drei Zeitgenossen wie Franz Gertsch, Christiane Baum­gartner und Anselm Kie­fer nun auch wieder nicht.

"Best of Austria"

Termin: bis 10. Mai 2009, Lentos Kunstmuseum, Linz. Katalog: Verlag Bibliothek der Provinz, 35 Euro.
http://www.lentos.at/de/45_1764.asp

Mehr zum Thema auf art-magazin.de