Frans Hals - München

Leichthändige Todesdrohung

Frans Hals und Haarlems Meister der goldenen Zeit – der Doyen der niederländischen Porträtmalerei in der Münchner Hypo-Kunsthalle.

Das Metier bot glänzende Zukunftsaussichten: Im Haarlem des frühen 17. Jahrhunderts ließen sich junge Männer scharenweise zu Malern ausbilden. Auch wenn nicht jeder das Zeug zum Stilllebenvirtuosen wie Willem Heda oder Landschaftsspezialisten wie Salomon van Ruysdael hatte, die Geschäfte mit der Malerei blühten.

Die reiche Stadt verdankte ihr rasantes Bevölkerungswachstum dem Zulauf von Emigranten. Sie waren vor dem Krieg gegen Spanien aus den süd­li­chen Provinzen geflohen. Und das prosperieren­de protestantische Bürgertum verlangte nach handlichen Bildern. Bloß kei­ne zu aufgeladenen allegorischen oder mytho­logischen Themen, lautete die Devise. In der Folge entwickelten die Maler ganz neue realitätsnahe Bildgenres, zu denen neben Landschaften und Stillleben auch Marinestücke oder die Architekturansichten der stolz herausgeputzten neuen Bürgerplätze und -märkte gehörten. Die Münchner Hypo-Kunsthalle widmet "Haarlems Meistern der Goldenen Zeit" (1600 bis 1670) nun eine umfassende Ausstellung und stellt mit Frans Hals (um 1581 bis 1666) den Doyen der repräsentativen Porträtmalerei dieser Ära ins Zentrum.

Franz Hals, auch er ein flämischer Flüchtling, war mit den Eltern von Antwerpen nach Haarlem gezogen. Hals brillierte leichthändig nicht nur als Porträtist von Würdenträgern und Kaufleuten, sondern verlieh auch der Genremalerei eine nonchalante Note. Sein berühmter "Junger Mann mit Totenkopf" (1628/29) jong­liert eher mit dem Menschenschädel als dass er ihn als Vanitas-Drohung hochhält. Bürgerstolz und Bürgerwehr der neureichen Bevölkerung lagen in Haarlem eng beieinander. Und Hals wusste beides ins gewünschte Licht zu setzen. So uniformiert sich seine Schützengilden und Spitalsregenten auch gaben, er lockerte die Gruppenbildnisse mit lebendigen Akzenten auf. Je älter Hals wurde, umso informeller fiel der Malduktus aus. Dafür bewunder­ten ihn Jahrhunderte später die deutschen Impressionisten wie Max Liebermann oder Lovis Corinth.

"Frans Hals und Haarlems Meister der goldenen Zeit"

Termin: bis 7. Juni, Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstr. 8, München. Katalog: Hirmer Verlag, 25 Euro, im Buchhandel 34,90 Euro
http://www.hypo-kunsthalle.de/

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