Hubbard / Birchler - Stuttgart

Rätselhafte Bilderschleifen

Der Württembergische Kunstverein in Stuttgart zeigt surreale und geheimnisvolle Videofilme des irisch-schweizerischen Künstlerduos Teresa Hubbard und Alexander Birchler.

Als das Mädchen auf der Terrasse einschläft und Rehe auftauchen, da ahnt man: Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. Ist es ein Traum, ist es Fantasie? Sicher ist: In dem Video "House with Pool" (2004) von Teresa Hubbard und Alexander Birchler geht es um das Thema Weiblichkeit.

Draußen schläft das Mädchen, im Haus sitzt eine Frau am Flügel – und es bleibt dem Betrachter überlassen, ob er die beiden für Mutter und Tochter hält oder für eine Person in frühen und spä­ten Jahren. In brillanten Bildern erzählt das Künstlerduo Hubbard/Birchler Geschich­ten, die geheimnisvolle und surrea­le Momente durchziehen. In den Loops (Filmschleifen) gibt es kein Ziel, sondern ver­weben sich Räume und Figuren zu wundersamen Szenerien. Im Württembergischen Kunstverein sind nun sieben Videoarbeiten zu sehen.

Ihr Thema ist das Zusammenspiel von Mensch und Raum, von Außen- und Innenwelt, von Realität, Traum und Erinnerung. Haus und Behausung werden da­bei zur sprechenden Kulisse, weshalb Hub­bard und Birchler für ihre Inszenierungen aufwändige Architekturen bauen. Für "Single Wide" von 2002 wurde von einem Mobilheim eine Wand entfernt, so dass man wie in ein Puppenhaus schaut. Eine Frau verlässt das Haus, steigt ins Auto, fährt gegen die Wand, steigt aus, geht ins Haus – und wieder beginnt der Loop von vorne.

Wichtig sind dabei die De­tails: "Es gibt kleine Schleifen in Musik, Stillleben, Räumen", sagt Hans D. Christ, der mit Iris Dressler den Kunstverein leitet. Die Irin Teresa Hubbard und der Schweizer Alexander Birchler arbeiten seit 1990 zusammen, heute leben sie in Texas, wo auch ihre jüngste Videoinstallation "Grand Paris Texas" (2008) entstanden ist, bei der sie von ihrer bisherigen Methode abgewichen sind. Schauplatz ist ein leer stehendes Kino in Paris, Texas. Der Ort erlangte durch Wim Wenders gleichnamigen Film von 1984 Berühmtheit. "Sie wagen das Thema Dokumentation", sagt Christ. Interviews wurden mit Aufnahmen des Gebäudes samt Tierkot und Taubenskeletten kombiniert. Das sei, so Christ, wie immer brillant gedreht, "es hat aber auch Momente des Ekels".

"Teresa Hubbard / Alexander Birchler: No Room to Answer - Projections"

Termin: 28. Februar bis 10. Mai, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 29,80 Euro
http://www.wkv-stuttgart.de

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