John Baldessari - Krefeld

Mies hätte das gehasst

Mit einer "Total-Installation" hat der US-amerikanische Konzeptkünstler John Baldessari eine gesamte Bauhaus-Villa in Krefeld in ein neues Kunstwerk verwandelt.

Von Sonntag an wird sich das Krefelder Haus Lange als jüngstes Baldessari-Werk "Backsteingebäude, große Fenster mit exzellenter Aussicht, teilmöbliert, namhafter Architekt" präsentieren. Statt transparenter Architektur mit klarem "Innenleben" ist bis zum 1. Juni ein völlig verschlossener Baukörper zu sehen, der innen wie außen mit imitiertem Backstein beklebt wurde. Haus Lange war 1928/30 von dem bedeutenden Bauhausarchitekten Mies van der Rohe errichtet worden.

"Setzen Sie sich!", fordert der prominente US-Künstler Baldessari seine Besucher auf. Ohne Schuhe dürfe jeder Platz nehmen, betont der 77-Jährige, der im Erdgeschoss eine einsame, dafür poppige Möblierung platziert hat. Das ist eine reinweiße, weiche Couch, die aussieht wie ein riesiges Ohr und die von zwei überdimensionalen "Nasenvasen" samt
Blumenschmuck in Gestalt umgedrehter Riechorgane flankiert wird. "Mies hätte das gehasst", kommentiert der Künstler genüsslich: "Statt rechtem Winkel nur Kurven!" Er habe gegen den Architektur-Weltstar opponieren wollen, sagte Baldessari zu seiner "Contra-Mies"-Schau, deren langatmiger Titel eher wie eine Immobilienanzeige klingt.

Die architektonisch so bedeutende Villa ist durch Baldessaris Eingriff allerdings komplett auf den Kopf gestellt. Schon von außen wirkt der kubisch streng verschachtelte Flachdach-Baukörper wie ein verschlossener Block. Die breiten Fenster, die das Gebäude sonst so transparent machen, sind völlig verschwunden – unter einer Backstein-Folie. Innen gibt es diese "Camouflage" auch – als Fototapete, die aus den weiß gestrichenen Zimmerwänden eine Backstein-Mauer macht und doch fiktive "Ausblicke" gewährt. Die zeigen anstelle der Fenster als Fototapeten Baldessaris kalifornische Heimat: Pazifik, Surfer und die Rocky Mountains. "Ich mag es, Leute zu verwirren", sagt der Künstler über seine freche "Verkehrung" der architektonischen und geografischen Verhältnisse.

Dass Humor und Ironie eine Rolle in Baldessaris nur auf den ersten Blick banalen, aber ansonsten hintergründigen Arbeiten spielen, erkennt der Besucher am "Augenzwinkern". Das begrüßt den Kunstliebhaber als Fenster mit darüber installierter Augenbraue. Allerdings, so der Künstler, der sich seit den 1960er Jahren mit philosophischer Konzeptkunst einen Namen gemacht hat, sei die Augenbraue auch eine bewusst bauhauskritische Fassadenzier, die aus der schnörkellosen Vierkant-Villa wieder ein "Haus mit Augenbraue" macht.

Antje Lorscheider, dpa

"John Baldessari"

Termin: 1. März bis 1. Juni, Museum Haus Lange, Wilhelmshofallee 91, Krefeld
http://www.kunstmuseenkrefeld.de/