Michael Riedel - Tate Modern

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Neue Logos für die Moderne:Interview mit Michael Riedel

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Herr Riedel, zur Ausstellung "Stutter" in der Tate Modern in London, bei der es um das Thema Wiederholung, Unterbrechung und Übersetzung geht, zeigen Sie unter anderem vier großformatige Leinwände mit je einem dunkelgrauen, amorphen Fleck. Was hat es damit auf sich?

Michael Riedel: Als mich meine Galeristen in Wien, Gabriele Senn, vor zwei Jahren nach einem neuen Logo für ihre Galerie fragte, habe ich das alte Logo in ein an der Wand hängendes Stück Stoff geschnitten um eine beliebige Veränderung herzustellen. Der Stoff ließ sich drei Mal drehen, so dass sich vier Vorschläge zur Veränderung ergaben. Ich hielt vier für besser, als nur einen. Danach habe ich ungefragt angefangen Vorschläge zur Veränderung zu machen. David Zwirner habe ich verändert und auch das Wort „Modern“ im Logo der Glasgower Galerie „The Modern Institute“. Im Londoner Modern Institute, der Tate Modern, sind meine eigenen vier Vorschläge zur Veränderung von Modern nun Ausgangspunkt weiterer Veränderungen. Von diesen sechzehn neuen Vorschlägen sind vier in der Ausstellung zu sehen, sowie ein schwarzes Stück Stoff – die Schablone für die gedruckten Motive.

Das bedeutet also, es entstand eine Art Stammbaum mit einem Ursprungsmotiv, vier Bearbeitungen davon, von denen wiederum jede einzeln nach dem gleichen Prinzip weiter bearbeitet wurde. Man könnte diesen Prozess also unendlich fortführen.

Richtig. Wobei der Ursprung selbst ja auch nur ein Vorschlag für eine mögliche Schreibweise von Modern ist. Ich glaube nicht, dass ich etwas begonnen, sondern einfach eine Bewegung aufgegriffen und fortgesetzt habe.

Was meinen Sie mit Bewegung?

Mit Bewegung meine ich, den Dingen einen Namen zu geben. Nennen Sie es anders, wenn Sie wollen.

Ihr Verfahren, das jedem Ergebnis den gleichen Stellenwert zumisst, widerspricht aber wohl den üblichen Kriterien für die Entwicklung eines Logos, das normalerweise auf Optimierung ausgelegt ist. Wie haben die Institute auf ihre Vorschläge reagiert?

Optimierung eines Logos kann ich mir nicht vorstellen, seine ständige Veränderung schon eher. Als Logo sind die Vorschläge nicht von Interesse.
Kann man demnach von einer Analogie auf die Entwicklung der Moderne sprechen?

Wenn Sie unter modern permantes verändern verstehen, ja. Die Geschichte lässt sich nicht provozieren, indem man sie untergräbt und zusammenbrechen lässt, wie in Köln. Erst die Simulation von Geschichte als Geschichtsereignis macht es möglich anderes zu sehen.