Markus Lüpertz - Düsseldorfer Kunstakademie

Totgesagte leben länger

Die Düsseldorfer Kunstakademie verabschiedet ihren langjährigen Rektor Markus Lüpertz mit einer Ausstellung zum Thema "Skulls".

Jeder Abschied ist ein bisschen wie sterben, nach diesem Motto hat die Düsseldorfer Kunstakademie ihrem scheidenden Rektor eine Galerie gemalter Totenköpfe eingerichtet. "Skulls" heißt die Ausstellung, in der Markus Lüpertz' langjährige und beinahe klassische Beschäftigung mit dem Sterblichkeitsmotiv noch bis Mitte Juni zu sehen ist. Leider ließ sich der Geehrte wegen dringender Reisegeschäfte bei der Eröffnung entschuldigen, so dass sich nicht ermessen ließ, wie tief die Trauer über den nahenden Verlust in Düsseldorf tatsächlich reicht. Nach über 20-jähriger Amtszeit ist Lüpertz längst nicht mehr unumstritten, zuletzt hatte ihm der ehemalige Akademie-Schüler Andreas Gursky vorgeworfen, die neuen Medienkünste sträflich zu vernachlässigen.

Am 30. Juni scheidet Markus Lüpertz offiziell aus seinem Amt, danach wird er, wenn alles läuft wie geplant, in Berlin eine private Kunstakademie errichten. Diese soll sich den "avantgardistischen Künsten" (Lüpertz) Malerei und Bildhauerei widmen, die er für zu Unrecht abgeschrieben hält. Den besten Beweis für die kraftstrotzende (und im Falle seines eigenen Werkes gerne auch mal kraftmeiernde) Lebendigkeit der Malerei liefert nun wie bestellt die Düsseldorfer Totenschau.

In ihr sind vorwiegend Arbeiten aus Lüpertz' rheinischen Dienstjahren versammelt, angefangen beim "Selbstportrait – Ich als Zombie" (1983) bis hin zu den im letzten Jahr entstandenen und zum ersten Mal gezeigten "Skull"- und "Nachtklang"-Bildern. Dabei erstaunt weniger die Häufigkeit des Vanitasmotivs – für einen vitalen Malerfürsten muss der Tod ja geradezu ein ständiger Begleiter und Stachel im fruchtbaren Fleisch der Kunst sein –, sondern sein Variantenreichtum. Mal begegnet uns der menschliche Schädel als zupackend schlicht gezeichneter "Poet" (1997), mal vor theatralischem Sonnenuntergang auf dem Gemälde "Tod küsst Lunge" (1991/92) und dann in den späten Arbeiten in ganz und gar zurückhaltender Manier.

Insbesondere die "Nachtklang"-Reihe ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man dem eigenen Talent die Zügel anlegt und dafür mit einer neuen Sichtweise belohnt wird. In ihnen hat sich Lüpertz auf ein für ihn untypisches Kleinformat beschränkt, Schwarzweißkontraste dominieren das Bild und werden lediglich durch die Tönung des Holzrahmens etwas abgemildert; zu sehen ist jeweils ein Totenschädel vor den angedeuteten Umrissen eines Klaviers. Dieser Nachtklang kommt einem lyrischen Kammerkonzert so nahe wie sonst wenig in Lüpertz' Werk. Wenn so sein neuer Anfang aussieht, dann leben Totgesagte womöglich wirklich länger.

"Markus Lüpertz – Skulls"

Termin: 24. April bis 21. Juni, Akademie-Galerie Düsseldorf
http://www.kunstakademie-duesseldorf.de/

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