Michael Riedel - Tate Modern

Neue Logos für die Moderne

Die Londoner Gruppenausstellung "Stutter" in der Tate Modern beschäftigt sich mit Unterbrechungen in der Wissensproduktion und Kommunikationssystemen. Michael Riedel präsentiert dort eine Werkserie für die er immer wieder das Wort "Modern" modifizierte. art sprach mit dem Künstler über permanente Veränderungen.
Neue Logos für die Moderne:Interview mit Michael Riedel

Michael Riedel: "Vier Vorschläge zur Veränderung von Modern", 2009; 250 cm x 275 cm, Digitaldruck auf Baumwollstoff

Herr Riedel, zur Ausstellung "Stutter" in der Tate Modern in London, bei der es um das Thema Wiederholung, Unterbrechung und Übersetzung geht, zeigen Sie unter anderem vier großformatige Leinwände mit je einem dunkelgrauen, amorphen Fleck. Was hat es damit auf sich?

Michael Riedel: Die Flecken, wie Sie es nennen – ich übrigens auch – sind Abbildungen von Löchern in einem gleichgroßen Stück Stoff, das die Schablone für die Bilder ist. Wie der Titel der einzelnen Werke bereits sagt, handelt es sich um "Vier Vorschläge zur Veränderung von Modern" – ursprünglich "Vier Vorschläge zur Veränderung von Modern im Logo von The Modern Institute".

Mein Ausstellungsbeitrag in der gleichnamigen Galerie in Glasgow 2008 war ein schwarzes Stück Stoff, aus dem das Wort Modern herausgeschnitten wurde. Die beliebige Veränderung der Vorlage entstand dadurch, dass das Loch Modern sich beim Aufhängen des Stoffs an der Wand verzog. Vier Vorschläge zur Veränderung ergaben sich aus der dreifachen Drehung des Stoffes, auf die ich die unterschiedlichen Motive jeweils drucken ließ. Um die Veränderung aber zu verselbstständigen reichten vier Vorschläge nicht aus, so dass ich diese erneut in Stoff schnitt, um eine wahre Endlosigkeit herzustellen, in Viererschritten. Tate Modern zeigt jetzt vier Bilder, die zuvor in einer größeren Zusammenstellung im Städelmuseum in Frankfurt zu sehen waren.

Das bedeutet also, es entstand eine Art Stammbaum mit einem Ursprungsmotiv, vier Bearbeitungen davon, von denen wiederum jede einzeln nach dem gleichen Prinzip weiter bearbeitet wurde. Man könnte diesen Prozess also unendlich fortführen.

Unendlich macht ja keiner. Es bleibt ausschnitthaft, egal an welcher Stelle man aufhören wird beziehungsweise weiter macht. Aber es stimmt, das Werk befindet sich im Prozess. Natürlich gibt es einen Anfang, wobei dieser, die Gestaltung des Wortes Modern im Logo der Galerie, auch nur eine mögliche Schreibweise ist. Insofern nehmen meine Angebote für nicht realisierte Schreibweisen von Modern eine bereits vorhandene Bewegung auf.

Was meinen Sie mit Bewegung?

Mit Bewegung meine ich schreiben, auch unleserlich.

Ihr Verfahren, das jedem Ergebnis den gleichen Stellenwert zumisst, widerspricht aber wohl den üblichen Kriterien für die Entwicklung eines Logos, das normalerweise auf Optimierung ausgelegt ist. Wie haben die Institute auf ihre Vorschläge reagiert?

Optimierung eines Logos kann ich mir nicht vorstellen, seine ständige Veränderung schon eher. Als Logo sind die Vorschläge nicht gedacht, und wenn, dann nur als Logo zur Veränderung.

Kann man demnach von einer Analogie auf die Entwicklung der Moderne sprechen?

Wenn Sie, wie ich, die Moderne als permanentes Verändern verstehen, ja. Insofern war Modern im Logo von The Modern Institute ein glücklicher Zufall, um daraus eine Geschichte von Löchern und Flecken abzuleiten.

"Stutter"

Termin: bis 16. August, Tate Modern, London
http://www.tate.org.uk/modern/exhibitions/stutter/default.shtm

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