Space Revised - Bremen / Hamburg / Lüneburg

Bewusste Anmassung

Vier norddeutsche Kunsthäuser widmen sich in der Kooperationsausstellung "Space Revised" dem Verhältnis zwischen Raum und Kunst.

Die zarte Stimme von Brigitte Bardot tönt durch den Raum, während der polnischen Künstler Cezary Bodzianowski seinen fülligen Körper in eine winzige Abstellkammer zwängt. Hier steht er mal aufrecht, mal auf dem Kopf und versucht, eine Zigarette zu rauchen. Doch Raum und Körper passen nicht zusammen.

"Tao" lautet der Titel des dreieinhalbminütigen Videos, das zu den amüsantesten Arbeiten der Kooperationsausstellung "Space Revised" gehört. Getragen wird das Projekt von vier norddeutschen Häusern. Die Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) in Bremen, das benachbarte Künstlerhaus Bremen, der Hamburger Kunstverein Harburger Bahnhof und die Halle für Kunst in Lüneburg widmen sich einem großen Thema der Kunst: dem Verhältnis zwischen Raum und Kunst.

In den verschiedenen Spielorten der Schau wird der Besucher, der selbst als Reisender den Raum durchquert, mit vielfältigen Raumauffassungen konfrontiert. Zwar fehlt es einigen Objekten an Inhalt und an Tiefe, dennoch schafft "Space Revised" durch ein schlüssiges Konzept und viele überzeugende Exponate zu begeistern. Neben dem rohen Gedankenspiel von Bodzianowski, gelingt es auch Christian Haake eine komplexe Auseinandersetzung mit Raumaneignung zu inszenieren. Der Bremer hat ein Miniaturmodell einer Häuserfront entworfen und in eine Wand des Ausstellungsraums eingelassen.

Raumaneignung, Raumverlust und Raumverschiebung

Dabei spielt er mit den Größenverhältnissen und zugleich mit der Realität. Der alltägliche Anblick im verschobenen Kleinformat bietet jedem Betrachter etwas Vertrautes, so dass ein öffentlich präsentierter Blick zu einer bekannten Erinnerung wird. Prägnant platziert sich in der Mitte des 300 Quadratmeter großen Saals des Harburger Kunstvereins der Höhepunkt der Gesamtschau: Ein überdimensional großes und begehbares Holzobjekt des Berliners Kai Schiemenz. Der Künstler hinterfragt in seiner imposanten Skulptur, deren Grundlage ein Stadionbau war, den Nutzen des Raumes und die Beziehung von Architektur und Gemeinschaft. Er schafft einen vielschichtigen Zustand: Neben Architekturmerkmalen, vereinigt seine Arbeit gleichzeitig Skulpturcharakter und Züge einer Installation.

Doch eine mehrdeutige Auseinandersetzung mit dem Raum gelingt nicht allen Künstlern. Insbesondere der dunkle Labyrinth-Tunnel der Isländerin Elín Hansdóttir, zu oft im gleichen Kontext schon gezeigt, wirkt abgegriffen. An anderen Stellen gibt sich die Ausstellungsreihe etwas zu überladen. Es findet sich viel Kunst-Kitsch, wie der längst überholte Versuch des Künstlers Guillaume Bijl, bunte Wanduhren ideologisch aufzuwerten. Trotzdem schafft die Kooperationsausstellung bewusst anmaßend und zugleich mehrdeutig vier Blickwinkel auf Raum – Raumaneignung, Raumverlust, Raumverschiebung und sozialer Raum.

Space Revised

"#1 Friendly Takeovers. Strategien der Raumaneignung" Termin: bis 9. August 2009, Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Teerhof 21 / "#2 Verbleib unbekannt" Termin: bis 16. Mai, Künstlerhaus Bremen, Am Deich 68/69 / "#3 What if This Was a Piece of Art?" Termin: bis 12 Juli, Halle für Kunst Lüneburg, Reichenbachstraße 2 / "#4 Manufacted Communities. Raum und Gemeinschaft" Termin: bis 12 Juli, Kunstverein Harburger Bahnhof, Honnoversche Straße 85

http://www.gak-bremen.de/aktuell/space_revised

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