Roman Signer - Kunsthalle Hamburg

Philosophie zum Anschauen

Die Hamburger Kunsthalle hat dem Schweizer Bildhauer eine Einzelausstellung gewidmet. Zu sehen sind rund 30 Super-8-Filme sowie Videos.

Projektionen sind sowohl die Bilder, die Vorführgeräte uns zeigen, wie diejenigen, die wir uns selbst von der Welt machen. Roman Signer nutzt bei­de Aspekte des Begriffs.

In der Ausstellung, die unter diesem Titel erstmals rund 30 Super-8-Filme und Videos von 1975 bis 2008 versammelt, hält der 1938 in Appenzell geborene Künstler zum einen skulpturale Vorgänge fest, mit denen er Versuchsanordnungen und Gegenstände verändert. Zum anderen schafft er existenzielle Bilder, die dem Betrachter wie ein Menetekel nicht mehr aus dem Kopf wollen, etwa der Helikopter bei der Biennale in Venedig, der in einer Holzkiste wie ein Insekt zu verenden schien.

Während man den bald dramati­schen, bald heiter-melancholischen Ereignissen zusieht, werden verschiedene Formen des Vergehens von Zeit erfahrbar. Wir beobachten den Wettlauf eines Kajaks auf einer Straße und Kühe auf einer Wiese und sehen, wie zwei Fässer sich in einem Wasserstrudel drehen. In dem Sog drohen wir zu versinken. Das ist Philosophie zum Anschauen, leichthändig und unentrinnbar.
"Ich würde gern in Zeitlupe sehen können", sagt Signer, der zu den bedeutendsten und einfallsreichsten Gegenwartskünstlern gehört. 1987 sorgte der vielfach Ausgezeichnete in Kassel auf der Documenta 8 mit einer Aktion, für die ein Sprengmeister erforderlich war, für Aufsehen: Er hatte 350 Stapel Papier zu je 1000 Blatt in einer Linie angeordnet. Sämtliche Blätter wurden gleichzeitig durch Sprengladungen hochgeschossen und bildeten während kurzer Zeit eine flatternde Papierwand von 15 Metern Höhe und 300 Metern Länge. So schön und so explosiv kann Kunst sein.

"Roman Signer: Projektionen. Filme und Videos 1975 - 2008"

Termin: bis 6. September, Kunsthalle Hamburg. Werkverzeichnis: Verlag Scheidegger & Spiess, 65 Euro
http://www.hamburger-kunsthalle.de/

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