Höhler-Biennale - Gera

Biennale in Bierkellern

In einem unterirdischen Höhlensystem, in dem früher Bier gelagert wurde und das die gesamte Altstadt von Gera durchzieht, haben Künstler sich zu Installationen inspirieren lassen

Was hat Bier mit Kunst zu tun? Jede Menge. Und das bezieht sich nicht auf das bei Vernissagen konsumierte Kaltgetränk. Denn die Stadt Gera verdankt dem Bier eine alle zwei Jahre stattfindende Kunstausstellung. Sie wird in den so genannten "Höhler" ausgerichtet, einem unterirdischen System von 230 Wirtschaftskellern, in denen vom 16. bis 19. Jahrhundert Bier gelagert wurde.

Die an die Bürgerhäuser angeschlossenen "Höhler" durchziehen – Grundstücksgrenzen zwanglos sprengend – die gesamte Altstadt. Während des Zweiten Weltkriegs dienten sie als Luftschutzkeller, in den Nachkriegsjahren wurden sie teilweise zugeschüttet und beinahe vergessen. Der Verein Erhaltung der Geraer Höhler sorgte dafür, das dieses kulturhistorische Attraktion wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geholt wurde. Viele der "Höhler" sind heute wieder zugänglich.

Der Verein veranstaltet die Biennale zusammen mit der Stadt Gera. Von den Künstlern wurde erwartet, sich nicht nur auf die hohe Luftfeuchtigkeit und das künstliche Licht einzustellen, sondern auch "symbolische, historische und rezeptionsästhetische Erwägungen zu berücksichtigen. Höhlen sind besondere Orte, die zu allen Zeiten, wie die prähistorische Höhlenmalerei erweist, zur Begegnung mit dem Anderen einluden", hieß es dazu im Katalog der Biennale 2007.

In den Gewölben unter der Stadt lassen sich Künstler aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Österreich, Großbritannien und Liechtenstein zu ihren Arbeiten inspirieren. 120 hatten sich beworben, 47 wurden von einer Jury ausgewählt. Das unterirdische Höhlensystem verlockt zu Spielereien mit Licht, mit Klang, auch mit ungewöhnlichen Materialien. So hat der niederländische Künstler Bernard Divendal eine Spur aus Badelatschen gelegt. Nora Grawitter aus Gera benutzt Kükendraht und andere Materialien, um im Schwarzlicht fantastische Gebilde und Formen der belebten und unbelebten Natur entstehen zu lassen. Projektleiterin Gitta Heil sagte in einem Interview mit der Tageszeitung "Neues Deutschland", es werde "dem Besucher eine besondere Intensität der Wahrnehmung ermöglicht, weniger der Höhler, der auch, aber vor allem der Kunst. Schon allein die Raumsituation erzeugt einen fast sakralen Eindruck und alle Sinne sind angesprochen."

"Höhler-Biennale"

Termin: 31. Oktober, Gera
http://www.hoehlerbiennale.de/