Nedko Solakov - Darmstadt

Die Retrospektive bleibt verpackt

Der bulgarische Künstler Nedko Solakov ist der aufwändigen Ausstellungen müde – anstelle einer Werkschau überrascht er im Institut Mathildenhöhe mit einer Installation, in der er sich auf Atmosphäre und Relikte der Darmstädter "Masken"-Ausstellung bezieht

So etwas geschieht nicht alle Tage: Kurz vor Beginn einer Ausstellung teilen die Veranstalter mit, dass das die Schau abgesagt wird. Es geht um die große Retrospektive des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov im Ausstellungsinstitut Mathildenhöhe, die am 12. Juli eröffnet werden sollte. Sie wurde zuvor in Bonn und St. Gallen gezeigt und sollte in Darmstadt durch eine Installation erweitert werden, mit der sich Solakov auf die Relikte (Podeste, Sockel, Beleuchtung) der große "Masken"-Ausstellung (art 3/2009) beziehen wollte. Statt dessen bleiben alle Werke der Retrospektive wohl verpackt in ihren Kisten. Zu sehen ist nur die raumfüllende Großinstallation.

"Auf der Mathildenhöhe nutzt Nedko Solakov all seine Talente für eine 'freundliche Übernahme' der besonderen Art", erklärt Direktor Ralf Beil das Konzept der mutierten Ausstellung. Solakovs Totalinstallation "Emotions (without masks)" bespiele "insbesondere die aufwändige, dramatisch beleuchtete Ausstellungsarchitektur der vergangenen Ausstellung 'Masken. Metamorphosen des Gesichts'. Aus der abgelegten Larvenhülle, dem Kokon der vergangenen Masken-Ausstellung, schlüpft so unverhofft ein neuer Kunst-Schmetterling von eigenwilliger Couleur."

In einem englischsprachigen Statement erläutert der Künstler er habe "mehr als zwei Jahre sehr hart an dem Projekt gearbeitet". Die ersten beiden Austragungsorte seien "okay" gewesen. Solakov: "Die Besucher in Bonn und St. Gallen scheinen einigen Spaß gehabt zu haben, auch die Kuratoren und sogar ich selbst. Dann kam Darmstadt." Mehrere Male sei er auf der Mathildenhöhe gewesen, habe die Retrospektive geplant, sogar ein "wundervolles" Modell 1:50 erstellt. Dann aber bekam er in der "Masken"-Ausstellung einen völlig neuen Kick: "Ich liebte die Ausstellungsarchitektur und die Art, wie die Masken im Dunkeln glühten. Ich wünschte, ich hätte eine dieser Masken, um meine Emotionen besser verstecken zu können – vor allem das ermüdende Gefühl, so viele Ausstellungen gemacht zu haben."

Nun also statt der großen Retrospektive "viele kleine, emotionsbezogene Geschichten", die Solakov im Ambiente der nach Kopenhagen entschwundenen "Masken"-Ausstellung erzählt. "Ich bin sicher, alle meine Kunstwerke, die in ihren Kisten weggesperrt bleiben, sind wütend", sagt der Künstler. "Aber ich glaube, dass ich später mit ihnen wieder Frieden schließen kann."

Nedo Soilakov. Emotions (without masks)

Termin: 12. Juli bis 1. November. Katalog: Verlag Hatje Cantz, 34 Euro, in der Ausstellung 30 Euro
http://www.mathildenhoehe.info/