Übergangsgesellschaft - Berlin

Keine Routineangelegenheit

In der Berliner Akademie der Künste dokumentieren Szenen und Portraits von 17 Fotografen das Leben vor dem Mauerfall. Sie unterstreichen, dass die Fotografie zu den agilsten und authentischsten Medien der DDR gehörte.
Keine Routineangelegenheit:17 Fotografen dokumentieren das Leben mit der Mauer

Matthias Leupold: "Im Kino II", 1983

Regisseur Heiner Müller steht kess mit Spraydose an der Berliner Mauer. Liedermacherin Bettina Wegner macht vor ihrer Ausreise einen nachdenklichen Eindruck.

Aber auch Arbeiterinnen aus einer Leipziger Färberei, Mutter-Kind-Porträts und Zuschauer in einem 3-D-Kino sind zu sehen. Die Fotografie-Ausstellung "Übergangsgesellschaft – Porträts und Szenen 1980 bis 1990" in der Berliner Akademie der Künste wirft von diesem Freitag an bis zum 11. Oktober einen ungewöhnlichen Blick auf das letzte Jahrzehnt der DDR.

482 Bilder von 17 Fotografen zeigen in Ausschnitten, wie das Leben vor dem Mauerfall war. Darunter sind Werke von Arno Fischer, Roger Melis, Angela Fensch und Sven Marquardt, der heute als Türsteher des Berliner Clubs "Berghain" bekannt ist. Die Ausstellung will bewusst einen anderen Akzent als die Flut von Schauen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls setzen. "Es ist keine Routineangelegenheit, nach dem Motto: Die Akademie muss auch etwas dazu machen", sagte Präsident Klaus Staeck am Donnerstag.

"Wer waren eigentlich die Akteure?", das ist laut Kurator Matthias Flügge eine der zentralen Fragen, der die Ausstellung nachgeht. Die Fotografie sei das agilste und authentischste Medium in der DDR gewesen. Der Titel "Übergangsgesellschaft" stammt von einem Bühnenstück Volker Brauns über die Spätzeit der DDR. Filmemacher Thomas Heise schuf für die Ausstellung eine Installation, die Material aus den achziger Jahren verarbeitet, darunter die Bewerbung zweier Kinder bei der Volkspolizei 1985 und eine Lesung Heiner Müllers für den Schauspieler Ulrich Mühe von 1987.

In den Fotos von 1980 bis 1990 spiegelt sich, wie es in der Ankündigung heißt, auch das "Warten in einem Land, das nicht mehr existiert, aber nicht verschwunden ist". Die Bilder sind zwar meist schwarzweiß, aber nicht trist, sondern auch von subtilem Humor: Vier dressierte Hunde hat zum Beispiel Erasmus Schröter 1982 in Halle fotografiert.

Die Ausstellung gehört zum Akademie-Schwerpunkt "Kunst und Revolte", der sich 2008 mit den 68ern befasste. Im Rahmenprogramm laufen Filme, etwa Andreas Dresens Doku "Jenseits von Klein- Wanzleben" (1989) über eine DDR-Brigade in Simbabwe.

dpa