Hellwach gegenwärtig - Marta Herford

Plötzlich meint man ein Hakenkreuz zu entdecken

Im Museum Marta trifft zeitgenössische auf Kunst der achtziger Jahre. "Hellwach gegenwärtig" ist die zweite Ausstellung seit der Eröffnung des Hauses vor vier Jahren, die Zugänge zur eigenen Sammlung ermöglichen will.

Licht und zugleich Schatten spenden die zehn Lampenobjekte von Tobias Rehberger: "Infections" hat der Preisträger des Goldenen Löwen der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig seine aus Baumarktmaterialien wie Klettband, Kabel und Glühlampen geschaffene unterkühlt ironische Installation genannt. Und tatsächlich lassen sich die geschwungenen Gebilde auch als infizierende Viren interpretieren. "Infections" ist eins von rund 65 Werken zeitgenössischer Kunst aus der mehr als doppelt so großen eigenen Sammlung des Museums Marta in Herford (Nordrhein-Westfalen).

Unter dem Titel "Hellwach gegenwärtig" bietet das Museum vom 18. Juli bis zum 13. September abermals Einblick in seine Sammlung, die auch bisher ungezeigte Neuerwerbungen international renommierter Künstler umfasst. Große Namen wie Mimmo Paladino, Sol LeWitt, Thomas Rentmeister und Cai Guo-Qiang füllen die Liste der präsentierten Künstler.

Roland Nachtigäller, künstlerischer Direktor des Marta, hat die Exponate mit ausgewählten Werken aus der Sammlung Karl Kerber in Verbindung gebracht. Diese aus den achtziger Jahren stammende Sammlung steht dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung. Durch die Gegenüberstellung aktueller und knapp 30 Jahre älterer Kunst ergeben sich vielfach neue Sichtweisen. So wirkt das Gemälde "Erinnerung" von A.R. Penck vor dem Hintergrund der düsteren und in Handlungen ungeschminkter Brutalität verstrickten Gipsfiguren von Bjarne Melgaard äußerst verstörend und beklemmend. "Plötzlich meint man in Pencks Bild ein Hakenkreuz zu entdecken, das man vorher nicht gesehen hat", sagt Nachtigäller.

Die Gegenüberstellung der beiden Sammlungen wird ergänzt durch einige Desiderate zeitgenössischer Künstler, die einen Ausblick in einer mögliche Zukunft gestatten: Die ausgestellten Arbeiten von Matthias Bitzer, Nezaket Ekici, Tamara Grcic, Nandor Angstenberger könnten in Zukunft Bestandteil der Sammlung werden. So zumindest der Wunsch der Ausstellungsmacher, die damit auch einen impliziten Appell an künftige Förderer verbinden.

Ebenfalls seit Samstag im Marta zu sehen ist die Ausstellung "hier und anderswo" mit Arbeiten von zwölf Künstlern (darunter Judith Michel, Dagmar Weiß und Carsten Benger), die einen Bezug zur Region Ostwestfalen-Lippe haben. Sie ist bis zum 6. September zu sehen. dpa/Erik Stein

"Hellwach gegenwärtig"

Termin: bis 13. September, Marta Herford
http://www.martaherford.de