Wanderziel Kunst - Schweizer Alpen

Die Kunst ist auf den Berg gekommen

Bei der 24. Kunstausstellung des Schweizer Alpenvereins hat man sich ins Gebirge gewagt. Arbeiten von Peter Fischli und David Weiss, Yves Netzhammer oder Roman Signer warten jenseits der Baumgrenze auf Wanderer.

Nach Stunden des Aufstiegs, bei denen die Luft dünner, die Trinkflasche leerer und die Waden strammer werden, glaubt der Wanderer in den Schweizer Alpen vielleicht der Zivilisation entkommen zu sein.
Wer jedoch derzeit seine Wanderroute entlang der Berghütten Cabane du Mont Fort im Kanton Wallis, Wildstrubelhütte im Kanton Bern, Etzlihütte im Kanton Uri, Capanna Basòdino im Kanton Tessin oder der Chamanna d’Es-cha im Kanton Graubünden wählt, findet alles andere als eine kulturfreie Zone vor: Er trifft auf zeitgenössische Kunst.

Der Schweizer Alpen Club (SAC) macht fünf seiner Berghütten zu Ausstellungsorten, an denen 17 teils weltbekannte Schweizer Künstler ihre Arbeiten installieren. Es ist bereits die 24. Kunstausstellung des SAC, der sich jedoch mit "Wanderziel Kunst: Ein- und Aussichten" in diesem Jahr zum ersten Mal ins Gebirge traut.

Kunst, die sich nicht aufdrängt

Über den Schweizer Kunstverein konnte der SAC den Berner Kurator Andreas Fiedler gewinnen. Dieser bringt Erfahrung mit Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau in das Projekt ein und bemühte sich um ein Ausstellungskonzept, das die Wanderer mit der zeitgenössischen Kunst in Berührung bringt, sie jedoch nicht belästigt. Fiedler wollte keinen Skulpturenpark oder Kunstparcours im Gebirge forcieren, sondern sah das Projekt eher als spannendes Experiment. "Das bietet der Kunst die Chance, aus der kontrollierten Enge des Museums auszubrechen und zu zeigen, ob und wie sie sich in einer alpinen Umgebung behaupten kann," erklärte Fiedler der Vereinszeitschrift des Alpen Clubs.

Die Künstler sind dabei behutsam mit der Alpenlandschaft umgegangen. Yves Netzhammer demontierte alle Schweizer Fahnen, die an den Hütten wehten, und ersetzte sie durch Fahnen, die den Wegweisern der Wanderwege gleichen. Sie zeigen nun nicht nur mit dem Wind ständig wechselnde Richtungen sondern auch so kuriose Ziele wie Bakterien, Vergangenheit oder Wolkenfriedhof an. Roman Signer hingegen baute an der Hütte Capanna Basòdino eine große Holzröhre um einen Fahnenmast herum, so dass die Schweizer Flagge, vom Wind ausgeschlossen, einfach schlapp herunter hängt.

Tränen gegen Staumauern

Judith Albert deponierte in allen Hütten kleine Streichholzschachteln zu Ehren eines fiktiven Schutzpatrons der Berge. Darin liegt eine versteinerte Träne des Heiligen, der die Bedrohung der Berge durch bauliche Eingriffe wie Straßen oder Staumauern beweint.
Auch Peter Fischli und David Weiss haben sich für eine Installation im Inneren der Hütte entschieden: Sie bestückten ein Regal mit Büchern, die Fragen und Antworten zur Bergwelt liefern.
Neben den Arbeiten sehr bekannter Künstler finden sich auch andere Schweizer Positionen auf den fünf Berghütten. Dabei wurde, ganz helvetisch, darauf geachtet, dass Künstler und Hütten aller Sprachregionen vertreten sind.

Wanderzielkunst: Ein- und Aussichten

Termin: bis Mitte Oktober, 24. SAC-Kunstausstellung in den Berghütten Cabane du Mont Fort (Kanton Wallis), Wildstrubelhütte (Kanton Bern), Etzlihütte (Kanton Uri), Capanna Basòdino (Kanton Tessin) und Chamanna d’Es-cha (Kanton Graubünden)
http://www.sac-cas.ch