Horst Janssen - Oldenburg

Den grössten Effekt mit Selbstporträts

Horst Janssen (1929 bis 1995) war ein grandiose Zeichner. Das Janssen-Museum richtet ihm jetzt eine Werkschau mit 300 Arbeiten aus

Walter Koschatzky, damals Direktor der Wiener Albertina, zählte Horst Janssen "zu den größten zeichnenden Künstlern der Gegenwart", als er ihm 1982 eine große Werkschau in seinem Institut ausrichtete. Die erste übrigens, die ein lebender Deutscher in dem ehrwürdigen österreichischen Museum erhielt.

Horst Janssen selbst unterteilte seine Zeichenkunst in drei Kategorien: "Die großen, sehr ausführlichen, ganz und gar gefüllten", die er "für den allgemeinen Markt" fertigte, dann "die faulen, aber eleganten Umrisszeichnungen, die ich als Präsent mitbringe", und schließlich: "Den größten Effekt aber erreiche ich mit den Zeichnungen der dritten Kategorie – den Selbstbildnissen."

Der Künstler, in dessen zeichnerischem Werk sich technische Experimentierfreudigkeit mit traditioneller Kunstfertigkeit verband, wäre jetzt 80 Jahre alt geworden. Das Horst-Janssen-Museum im Oldenburg feiert ihn deshalb mit einer Retrospektive, in der auf allen Ebenen des Hauses rund 300 Werke gezeigt werden.

"Selige Schnippelzeit"

Sie beginnt mit frühen Tuschzeichnungen des Studenten der Landeskunstschule am Lerchenfeld in Hamburg, es folgen die großformatigen Holzschnitte der fünfziger Jahre. Rückblickend hat Janssen diese Phase einmal als seine "selige Schnippelzeit" bezeichnet. Nackte Mädchen, hässliche Alte, fantastische Köpfe, skurrile Gestalten prägen das Werk der Sechziger – Janssen erhielt 1968 auf der Biennale von Venedig den internationalen Grafikpreis. Detailgenaue Abbildungen von Landschaften, Pflanzen Blumen, oft arrangiert zu Stillleben, dazu Aquarellzeichnungen und Radierzyklen entstanden in den siebziger Jahren. Durch alle Schaffensphasen hindurch aber war immer wieder das Selbstporträt ein Hauptthema – wobei sich der von einem exstatischen Lebensstil gezeichnete Künstler keinesfalls selbst schonte.

Horst Janssen verunglückte 1990 schwer, als der Balkon seines Hauses abstürzte, Jansen sich mit dort gelagerten Säuren, die er für seine Arbeit benötigte, die Augen verätzte und drei Monate erblindete. Nachdem er seine Sehkraft wieder gewonnen hatte, entstand noch die gradiose "Bobethanien"-Serie – 100 farbintensive, dynamische Landschaftsaquarelle. Janssen starb am 31. August 1995.

"Horst Janssen - Die Retrospektive zum 80. Geburtstag"

Termin: bis 15. November, Horst Janssen Museum, Oldenburg
http://www.horst-janssen-museum.de/