Rosa Schapire - Hamburg

Rosenknospe auf Tintenfüßchen

Die Kunsthistorikerin Rosa Schapire war eine große Förderin der expressionistischen Kunst in Deutschland – die Ausstellung vereint Kunstwerke von befreundeten Künstlern und persönliche Zeugnisse
Die Kunsthistorikerin Rosa Schapire:Expressionistische Kunst in Deutschland

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Die Leidenschaft für den Expressionismus schlug sich sogar in ihrer Wohnung in Hamburg-Uhlenhorst nieder. Rosa Schapire residierte in Wänden, die in Grün, Schwarz, Rot, Gelb, Blau und Rosa gehalten waren, den Farben, die von den Malern des Expressionismus oft verwendet wurden. Die Kunsthistorikerin und -sammlerin war von größter Bedeutung für die Entwicklung jener Kunst, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst von der Kritik abgelehnt wurde. "Gerade den Brücke-Künstlern war Schapire eine wichtige Stütze", schreibt Leonie Beiersdorf in ihrem Beitrag zum Katalog (Hatje Cantz Verlag, 35 Euro) der Ausstellung "Rosa. Eigenartig grün. Rosa Schapire und die Expressionisten".
Schapire, 1874 als Kind jüdischer Eltern in Brody (Ostgalizien) geboren, war eine der ersten Frauen, die in Deutschland ein Studium der Kunstgeschichte mit der Promotion krönten. Der Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler machte sie 1907 mit der Künstlervereinigung "Die Brücke" bekannt, die zwei Jahre zuvor in Dresden gegründet worden war, Rosa Schapire schloss sich sogleich als passives Mitglied an. Mit den Malern Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel verband sie eine enge Freundschaft, aber auch Franz Radziwill und die regionalen Künstler der Hamburger Sezession profitierten von ihrem großen Engagement für den Expressionismus.

Schapire vermittelte die Künstler an Galerien, sie propagierte ihre Kunst in Vorträgen und Artikeln, förderte Ankäufe durch Museen und stand in reger Korrespondenz mit den Künstlern, wovon zahlreiche Künstlerpostkarten zeugen.
Die Künstler wiederum haben ihre Förde­rin immer wieder gemalt, Schmidt-Rottluff entwarf Schmuck, Möbel und persönliches Briefpapier für sie. In der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sind außer persönlichen Zeugnissen etwa 130 Gemälde, Grafiken und Skulpturen zu sehen. Den Titel hat die Schau einem Zitat des Kunsthistorikers Aby Warburg entlehnt, der seiner Frau 1907 berichtete: "Frl. Schapire benimmt sich eigenar­tig grün...Sie ist sehr affektiert und beredt. Dieses Rosenknöspchen auf Tintenfüßchen."