Burger Collection - Berlin

Parolen in Schwermetall

Die Schweizer "Collection Burger" hat in Berlin einen fulminanten Auftritt: Radikale Kunst aus allen Ecken der Welt erwartet die Besucher in der Zimmerstraße 90 – 91.

"Brutal Death Metal" – diese und zahllose weitere Kombinationen schockierender Schlagwörter in Großbuchstaben schlagen dem Besucher der Berliner Ausstellung "Conflicting Tales: Subjektivität" erst einmal auf einem nietenbesetzten Lederhandschuh ins erstaunte Gesicht: Was ist denn hier los? Das gleich nebenan platzierte Abbild eines Falken wirkt auch ganz schön ungemütlich: Schließlich sind seine Umrisse aus Peitschen zusammengesetzt.

Dabei befindet man sich nicht etwa im neuesten Untergrund-Club in irgendwelchen Treptower Grusel-Katakomben – statt dessen liegen die Räume, in denen jetzt die "Burger Collection" einen kleinen Teil ihrer aktuell um die tausend Teile umfassenden Schätze ausstellt in der Zimmerstraße 90 – 91 in bester Nachbarschaft zu international etablierten Mitte-Galerien und Kulturinstitutionen.

Auch die Sammlerin Monique Burger selbst, eine durch und durch distinguierte Schweizerin mit Wohnsitz in Hongkong und Berufserfahrung in der Vermittlung von Top-Finanzmanagern, wirkt ziemlich genau wie das Gegenteil von Subkultur, Trash und "Schneller, lauter, härter!". Eher schon eine Affinität zu diesen Themen scheint Kurator Daniel Kurjakovic zu haben, der immerhin mal eine Ausstellung von Lee Ranaldo (Sonic Youth) in Paris kuratiert hat. Doch auch er ist eher ein kultivierter, hochgradig eloquenter Intellektueller, der über "Formen von Erosion" philosophiert, Foucault zitiert und "jene dem Abendland eingeschriebene Metaphysik von Sprache, Atem und Geist" kritisch hinterfragt und den Anlass der aktuellen Ausstellung mit der "fundamentalen Zwangslage" des "Subjekts in der Gegenwart" benennt. Was auch für eine sowohl in der künstlerischen als auch in der geistigen Substanz sehr gut aufgestellte Privatsammlung ganz schön hoch gepokert ist. Indes sind nicht nur Hugo Markls vier Asse aus Aluminium in den Maßen 176 mal 222 mal 176 Zentimeter angetreten, die Anfälligkeit unseres fragilen Kartenhauses namens Zivilisation zu versinnbildlichen.

Schmetterlinge und ein Rolls-Royce-Flugzeugtriebwerk

So wohnt im Nachbarzimmer Sisyphus: Julian Rosefeldts als Triptychon angelegte "Trilogy of Failure" zeigt auf gleichzeitig unterhaltsame und gewichtige Weise, wie der moderne Mensch sich plagt und in welches Nichts das alles führt: Sein Fallschirmspringer verzweifelt an zu viel Gegenwind am Arbeitsplatz, die Werkstatt eines offensichtlich mit
Flugzeugabstürzen befassten Wissenschaftlers wird von einem abstürzenden Rolls-Royce-Flugzeugtriebwerk bereichert und das einzige, was im Cockpit eines Jumbo-Jets vom Boden abhebt, sind Schmetterlinge. Auch in der zweiten Etage gilt es neben Bekanntem auf Leinwand von Bisky und Muntean/Rosenblum echte Entdeckungen zu machen: Von der pakistanischen Künstlerin Nalani Malani hat die Burger Collection nämlich eine ganze, einen ganzen Raum füllende Werkgruppe erworben, in der auf erzählerische Weise nicht weniger als Körper, Seele, Geist und der ganze Rest verhandelt werden. Oder in den Worten des von gewichtigen Schwermetall-Parolen inspirierten Künstlers Steven
Shearer: "Supreme Immortal Art".

"Conflicting Tales: Subjectivity"

Termin: bis 13. Dezember, Zimmerstrasse 90 – 91, Berlin
http://www.quadrilogy.org/

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