David Shrigley - Interview

Ich wäre gerne der Schlagzeuger aus der Muppet Show

Der schottische Künstler David Shrigley befasst sich neben seinem Hauptmedium, dem Zeichnen, mit Skulpturen und Fotografie. Darüber hinaus stellt er sich der Herausforderung des animierten Films. Dabei würde er am liebsten die Welt verbessern. In Mainz findet noch bis November die erste große Einzelausstellung des Schotten statt. art-Autorin Johanna Ayecke sprach mit Shrigley über die Muppet Show, Tätowierungen und die längste Wurst in Mainz.

Herr Shrigley, was denken Sie darüber, dass ihre Zeichnungen oft als Motivvorlage für Tätowierungen genutzt werden?

David Shrigley: Ich finde das schon sehr seltsam, meine Zeichnungen als Tattos wiederzusehen. Aber die Leute können ja machen, was sie wollen.

Und haben Sie selbst ein Tattoo?

Nein, ich finde es ist ein größeres Statement, kein Tattoo zu haben.

Wenn Sie sich dennoch zu einem Tattoo entschließen, würden Sie eines Ihrer Motive wählen?

Ich denke schon. Aber ich glaube nicht, dass ich mir je ein Tattoo stechen lasse.

Wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben, vor allem hinsichtlich der verschiedenen Medien?

Für mich sind alle Medien gleich, aber Zeichnen kann ich immer, unabhängig davon, wo ich mich aufhalte. Es ist mein bevorzugtes Medium, da es mir am leichtesten fällt. Aber ich arbeite auch an Skulpturen, Fotografien und animierten Filmen. Ich brauche die Abwechslung.

Haben Sie Vorbilder?

Was mir wirklich gut gefällt ist die Muppet Show!

Mit welchen der Charaktere der Muppet Show können Sie sich identifizieren?

Ich wäre gerne "Animal", der Schlagzeuger.

Spielen Sie Schlagzeug?

Nein, aber ich mache Musik. Ich spiele ab und an Gitarre mit Freunden, aber wir treten nicht auf, wir spielen nur so aus Spaß.

Sie haben außerdem mit der Britpopband Blur für ein Musikvideo zusammengearbeitet?

Das ist schon einige Jahre her, aber es war für mich eine wunderbare Erfahrung. Aber ich denke, man sollte so eine Art von Zusammenarbeit nicht zu oft wiederholen. Ansonsten würde ich immer das Gleiche tun. Die Videoarbeit war ein Auftrag, den ich gerne erfüllt habe. Ich würde aber keine weiteren Aufträge dieser Art annehmen und keine Popvideos mehr machen. Das ist vorbei.

Was ist eine neue Herausforderung, der Sie sich stellen möchten?

Animierte Filme sind für mich die aktuelle Herausforderung. Das ist jedes Mal wieder überraschend.

Wen möchten Sie mit Ihren animierten Filmen erreichen?

Mit den Filmen möchte ich in erster Linie mich erreichen. Wenn sie mir nicht gefallen, kann ich auch nicht erwarten, dass andere Menschen sie mögen. Aber ich hoffe natürlich, dass die Filme auch allen anderen gefallen.

Macht es Sie ärgerlich, wenn Ihre Arbeiten nicht als Kunst akzeptiert werden?

Nein, ich erwarte nicht von jedem, dass er meine Kunst mag oder sie versteht. Es ist gut wenn es einige tun.

Haben Sie eine politische Intention, die Sie mit Ihrer Kunst verfolgen?

"Jeder, der in Mainz ist, sollte sich das ansehen."

Eigentlich nicht. Aber ich möchte aus der Welt einen schöneren Ort machen.

Aber Ihre Kunst kann auch provozieren!

Nein, ich möchte niemanden provozieren, meine Arbeit ist nicht provokativ. Ich versuche, die Menschen zum Denken anzuregen. Wenigstens ein bisschen.

Lachen Sie selber über Ihre Filme?

Manchmal schon.

Und wann haben Sie zuletzt gelacht?

Vor ungefähr einer halben Stunde. Wir machten Witze über meine bevorstehende Hochzeit.

Was macht Sie stolz?

Ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. In Mainz findet zurzeit eine Einzelausstellung statt. Dafür habe ich eine 400 Meter lange Wurst aus Ton mit dem Titel "Anfang und Ende" hergestellt. Darauf bin ich wirklich sehr stolz. Jeder, der in Mainz ist, sollte sich das ansehen.

In einem Interview sagten Sie, dass Ihre Inspiration von Gott kommt. Kommunizieren Sie mit Gott?

Ich rede nicht direkt mit Gott. Es ist eine Frage der Entscheidung, was Gott Ihnen sagen will. Diese Entscheidung habe ich getroffen.

Was bedeutet Ihre Heimat Schottland für Sie?

Zu Hause bedeutet für mich, dass ich meine Schuhe nicht ausziehen muss, wenn ich im Haus herum laufe. Und Schottland ist ein lustiger und mysteriöser Ort.

Warum?

Weil es die ganze Zeit über regnet.

David Shrigley "New Powers – Neue Kräfte"

Termin: bis 8. November, Kunsthalle Mainz / David Shrigley gestaltet seit neustem auch T-Shirts für "Pringle of Scotland"
http://www.kunsthalle-mainz.de

Mehr zum Thema im Internet