Allan Kaprow - Hauser & Wirth, New York

Gummi für die Sinne

Nun gibt es auch in New York eine Galerie Hauser & Wirth. Die Eröffnung war nicht so, wie sie sich die feinen New-Yorker Besucher gewünscht hätten: In einer Hommage an Allan Kaprows Happening "Yard" mussten sie über schmutzige Autoreifen klettern.
Gummi für die Sinne:Hauser & Wirth eröffnet New Yorker Zweitstelle

Allan Kaprows "Yard" in der Galerie Hauser & Wirth, New York

Es riecht nach altem Gummi. Die Fenster des spärlich beleuchteten Raumes im Erdgeschoss der Galerie wurden mit schwarzer Plastikfolie abgeklebt. Das Licht der Glühbirnen flackert nervös auf.

"Arrangieren Sie die Reifen um", sagt die Stimme aus dem Lautsprecher. "Haben Sie Vertrauen." Doch an Arrangements denkt hier keiner. Die zur Ausstellungseröffnung geladenen Damen haben Mühe, mit ihren Stöckelschuhen über die aufgetürmten Autoreifen zu steigen. Es ist ein mutig schmuddeliger Auftakt, den die Galerie Hauser & Wirth zur Eröffnung ihrer New Yorker Zweistelle hinlegt. Und das in der Hauptstadt des Kunsthandels mit ihren weiß getünchten Kunst-Hallen, in einem schicken Townhouse mitten auf der Upper East Side.

Bei der Ausstellung handelt es sich um eine Verbeugung vor der Kunstgeschichte New Yorks. Der 2006 gestorbene Pionier des Happenings, Allan Kaprow, hatte mit "Yard" im Jahre 1961 den Hinterhof der Martha Jackson Gallery, die damals in dem Townhouse auf der 69. Straße residierte, mit Bergen von Autoreifen gefüllt, in denen die Besucher herumkletterten. Wie ein immer neu inszeniertes Theaterstück wurde "Yard" acht Mal bis zu Kaprows Tod wieder aufgeführt. Kunst war für den Amerikaner Improvisation. Den Begriff des Action Paintings, den die Vertreter des Abstrakten Expressionismus und vor allem Jackson Pollock geprägt hatten, führte er radikal weiter. Das Leben sei viel interessanter als Kunst, meinte Kaprow einmal. "Yard ist keine visuelle Kunst für die Augen allein, es involviert das ganze Spektrum und alle Sinne."

"Künstler sind das Rückgrat unserer Galerie"

Um die Installation in der Galerie umzusetzen, wählte die Kuratorin den aus New Jersey stammenden Performance-Künstler William Pope.L aus. Der 54-Jährige konzentrierte sich bei seiner Interpretation auf die "grauenhaften Aspekte der Arbeit", die alten Reifen ließen ihn an Industriemüll und Umweltzerstörung denken. Das finstere Szenario baute er mit Spiegeln, Flackerlicht und Leichensäcken aus. Sie würde persönlich darauf achten, dass niemand der Mitarbeiter am Empfang allzu viel Zeit am Stück in der Reifen-Hölle verbringen müsse, scherzte Cay Sophie Rabinowitz, die seit diesem Monat im Hauser-Wirth-Team mitarbeitet. Neben William Pope.L wurden mit Sharon Hayes und Josiah McElheny zwei weitere New Yorker Künstler ausgewählt, um ihre Yard-Versionen auf einem Friedhof im East Village und an einem öffentlichen Platz in Queens zu realisieren.

Die 1992 in Zürich von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser gegründete Galerie, die Künstler wie Christoph Büchel, Roni Horn, Pipilotti Rist oder Paul McCarthy und den Nachlass von Eva Hesse, von Raumkünstler Jason Rhoades und eben auch von Allan Kaprow präsentiert, hat bereits eine Zweigstelle in London. "Die Künstler sind das Rückgrat unserer Galerie", erklärte Iwan Wirth bei der Eröffnung in New York. Sein Haus präsentierte er als traditionelles, bodenständiges Unternehmen, das er mit dem einst von einem Nobelpreisträger entwickelten Aga-Kult-Kochherd verglich, der für viel Geld in englischen Landhäusern zu finden ist.

Ob die Besucher wie zu alten Zeiten den Reifenberg bezwingen werden, muss sich zeigen. An eine von Kaprows Instruktionen, die er als Teil seiner künstlerischen Arbeit niederschrieb, hat sich William Pope.L auf jeden Fall gehalten: "Achten Sie darauf, dass die Reifen schmutzig sind."

"Allan Kaprow, William Pope.L, Josiah Mc Elheny, Sharon Hayes"

Termin: bis 31. Oktober 2009, Hauser & Wirth, New York
http://www.hauserwirth.com/exhibitions/425/allan-kaprow-yard/view/

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