Miroslaw Balka - Tate Modern London

Mitten ins schwarze Loch

Keine Angst vor Dunkelheit dürfen Besucher haben, die sich in Miroslaw Balkas neue Installation in der ehemaligen Turbinenhalle in der Tate Modern wagen.

Der gewaltige Container aus rostendem Stahl ist 13 Meter hoch und 30 Meter lang. Er steht auf Stelzen, man kann unter ihm durchgehen, bis man am hinteren Ende auf eine Rampe stößt. Geht man diese hinauf, öffnet sich ein gähnendes schwarzes Loch.

Je weiter man ins Innere der stählernen Box vordringt, desto weniger sieht man. Bis das Schwarz einen völlig verschluckt und man die Orientierung verliert: Geht man vorwärts, seitwärts, im Kreis? Irgendwann einmal stößt man an eine seltsam weiche Wand und dreht sich um. Aus der Helligkeit kommen einem schattenhafte Gestalten entgegen, wie Geister, die zu Silhouetten werden.

Der Pole Miroslaw Balka, 51, ist der zehnte Künstler, der die riesige ehemalige Turbinenhalle in der Tate Modern bespielen darf. Den Titel seiner Installation "How it is" entlehnte er einem Roman von Samuel Beckett, in dem ein Mann auf ewig dazu verdammt ist, durch Schlamm zu kriechen. Balka sieht seine Arbeit in Opposition zu einem Werk eines seiner Vorgänger in der Tate: Dem blendenden Licht von Olafur Eliassons glühender Sonne wollte er totale Dunkelheit entgegensetzen.

In seinem Werk beschäftigt sich Balka immer wieder mit dem Grauen des 20. Jahrhunderts. Auch mit "How it is" erinnert er an den Holocaust: die Rampe, der Container, die Dunkelheit. Und mit den Worten des Künstlers entpuppt sich auch unser Jahrhundert "nicht als so glücklich, wie wir uns das vorgestellt hatten". Besonders eindrucksvoll ist es, die Besucher zu beobachten, wie sie lange zögern, ehe sie sich in die Dunkelheit hineinwagen. Das Unbekannte, Ungewisse schreckt noch immer ab.

"How it is"

Termin: bis 5. April 2010, Tate Modern in London
http://www.tate.org.uk/