Franz Gertsch - Die Jahreszeiten

Malerisches Denkmal

Das Franz-Gertsch-Museum im schweizerischen Burgdorf zeigt drei Jahreszeiten-Gemälde des Schweizer Malers, ergänzt durch Leihgaben der Sammlung Willy Michel und aus dem Besitz des Künstlers

Der Komponist Antonio Vivaldi setzte ihnen 1725 ein musikalisches Denkmal, jetzt hat der Schweizer Maler Franz Gertsch (Jahrgang 1930) sie malerisch verewigt: die vier Jahreszeiten. Bereits im Oktober vergangenen Jahres war Gertsch mit der ersten der vier monumentalen Tafeln an die Öffentlichkeit getreten.

Es war eine Hommage an den Herbst. Gertsch hatte in seinen Unterlagen mehr zufällig das Foto eines herbstlichen Waldstücks gefunden, es diente ihm als Vorlage für das Gemälde, in dem satte Grün- und Brauntöne dominieren. Wie alle Bilder von Franz Gertsch fügt es sich nur von weitem betrachtet zu einem realistischen Gemälde. Aus der Nähe gesehen erblickt der Betrachter eher ein abstraktes Spiel von Farben. "Das zu Sehende bleibt nur aus der Fernsicht, wenn sich die einzelnen Farben optisch mischen, relativ konstant", schreibt der Internetdienst "Kultur-online". "Bald verwischt sich der Bildgegenstand vor Augen, die Strukturierung, das Muster beherrscht als rein optisches Phänomen den Seheindruck."

Dieses Phänomen taucht auch in den zwei weiteren Jahreszeiten-Bildern auf, die Gertsch auf ungrundierte Baumwolle gemalt hat und die jetzt im Museum Franz Gertsch im schweizerischen Burgdorf ausgestellt sind. Der Sommer in Gestalt eines undurchdringlich wirkenden Waldstücks leuchtet in kräftigem Grün. Der Winter – Gertsch hat zum ersten Mal überhaupt Schnee gemalt – war eine besondere Herausforderung. Ein Gewirr von braunen, trockenen Ästen, zum Teil mit einer Schneeschicht bedeckt, fügt sich zu einem filigranen Liniengewirr über einer weißen Schneedecke am Boden.

Da Franz Gertsch für seine präzise, penible Malweise bekannt ist und die Tafeln immerhin eine stattliche Breite von fast fünf Metern haben, wird die Realisierung des Frühlings wohl noch auf sich warten lassen. Die drei Jahreszeiten-Bilder werden ergänzt durch Gemälde und Holzschnitte aus den Beständen der Stiftung und der Sammlung Willy Michel und aus dem Besitz von Franz Gertsch und Maria Gertsch-Meer. Darunter ist auch das Triptychon "Schwarzwasser" (1990/91), das seit längerer Zeit zum ersten Mal wieder öffentlich präsentiert wird.

"Franz Gertsch. Die neuen Jahreszeiten"

Termin: bis 28. März 2010, Museum Franz Gertsch, Platanenstrasse 3, CH – 3401 Burgdorf
http://www.museum-franzgertsch.ch/