Daniel Mauch - Ausstellung in Ulm

Flucht vor der Reformation

Das Ulmer Museum zeigt eine groß angelegte Werkschau des spätgotischen Bildhauers (1476 oder 1477 bis 1540)

Das frühe 16. Jahrhundert war eine Zeit des Umbruchs. Die italienische Renaissance fand – verspätet – ihren Widerhall auch nördlich der Alpen. "Neben die heimischen Stil- und Motivtraditionen traten neue, italienisch beeinflusste Varianten", schreibt Eva Leistenschneider, Kuratorin für die alte Sammlung des Ulmer Museums, "die dort, wo sie Verwendung fanden, in der Regel mit den lokalen Gepflogenheiten zu einem recht eigenen Stil- und Formidiom verschmolzen." Das Werk des Bildhauers Danel Mauch stehe "fast exemplarisch für diese tiefgreifenden Umbrüche", schreibt sie weiter im Katalog zu einer Ausstellung im Ulmer Museum, die sich mit eben diesem Bildhauer befasst.

Mauch war ein Vertreter der so genannten „Ulmer Schule“ – Ulm galt als bedeutendes Zentrum der Spätgotik in Südwestdeutschland mit Ausstrahlung nach ganz Süddeutschland, Franken, Tirol, Südtirol und Graubünden. Er setzte als einer der ersten deutschen Bildhauer Formen und Motive des neuen Stils der Renaissance um. Er gestaltete Altäre und Skulpturen, die zu den hervorragenden Stücken dieser Zeit zählen.

Zum ersten Mal werden die zentralen Werke Daniel Mauchs in einer Ausstellung vereint – rund 70 Werke aus allen Schaffensperioden. Die Leihgaben stammen aus bedeutenden internationalen Museen und süddeutschem Kirchenbesitz, darunter die Pfarrgemeinden Horgau, Geislingen und Kempten, das Musée du Louvre Paris, das Cleveland Museum of Art, die Liebieghaus-Skulpturensammlung in Frankfurt am Main, das Historische Museum in Basel und das Metropolitan Museum of Art in New York.

Mauch wurde Ende 1476 oder 1477 wahrscheinlich in Ulm geboren. Wenige Fakten über sein Leben sind gesichert. Seine Ausbildung wird er in den neunziger Jahren wohl auch in seiner Heimatstadt erhalten haben, 1499 tauchte er in einem Steuerbuch auf. 1503 – vermutlich nach einigen Jahren der Wanderschaft – heiratete er Rosa Stocker, die Tochter des Malers Jörg Stocker; Sohn Daniel kam 1504 zur Welt. Im Laufe der Jahre wurden seine Bildnisse und die seiner Werkstatt zu beliebten Kunstobjekten, sein Ruf breitete sich bis nach Graubünden, Freiburg und ins Montafon aus. Ab 1520 aber gingen die Aufträge zurück.

In Ulm hatte das bilderfeindliche Gedankengut der Reformation Fuß gefasst, tatkräftig unterstützt durch die Franziskanermönche Heinrich von Kettenbach und Eberlin von Günzburg. Religiöse Kunstwerke waren zunehmend der Kritik ausgesetzt, "nun führte die Diskussion um ihre Bewertung zur Zurückhaltung selbst bei katholischen Auftraggebern", so Eva Leistenschneider. In Ulm verlieren sich Mauchs Spuren. Er wanderte 1529 nach Lüttich aus, wo er 1540 starb.

Daniel Mauch – Bildhauer im Zeitalter der Reformation

Termin: 13. September bis 19. November. Katalog: Verlag Hatje Cantz, 29 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro
http://www.museum.ulm.de/