Das alte Syrien - In Stuttgart

Plastisches Bild einer untergegangenen Stadt

Die Große Landesausstellung im Stuttgarter Landesmuseum zeigt Kunstschätze und Objekte des alltäglichen Lebens aus dem antiken Syrien

Etwas Besseres konnte den Organisatoren der Großen Landesausstellung "Schätze des Alten Syrien" wohl kaum passieren: Nur wenige Monate, bevor die Ausstellung über das antike Königreich Qatna im Landesmuseum in Stuttgart ihre Pforten öffnete, entdeckten deutsche Archäologen der Universität Tübingen unter der Leitung von Peter Pfälzner gemeinsam mit ihren syrischen Kollegen eine weitgehend intakte Grabkammer aus der Bronzezeit.

Der "Sensationsfund", so der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, sorgte für Schlagzeilen und für willkommene Publicity für die Stuttgarter Ausstellung. Dort sind unter anderem auch die Schätze zu sehen, die das Tübinger Team bereits im Jahr 2002 in einer ebenfalls nicht ausgeraubten Grabkammer in der ehemaligen Königsstadt Qatna ausgegraben hatte.

Qatna liegt etwa 180 Kilometer nördlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Es war zu seiner Blütezeit vor 3500 Jahren eine der reichsten Metropolen des Vorderen Orients. Lange konnte Qatna sich gegen Eindringlinge wie die Ägypter oder die Hethiter wehren; um 1340 aber führten die Hethiter einen vernichtenden Angriff und zerstörten die Stadt.
In der großen Landesausstellung werden neben den Grabfunden von 2002 auch Exponate aus syrischen und internationalen Museen präsentiert, darunter das British Museum in London, der Pariser Louvre und das Antikenmuseum Basel.

Zu den Ausstellungsstücken gehören plastische Arbeiten wie eine weibliche Terrakottafigur, wahrscheinlich ein glückbringender Talisman, oder zwei steinerne Königsfiguren, die in den Vorkammern der Gruft gefunden wurden. Gezeigt werden kostbare Juwelen, etwa eine Schmuckscheibe mit Einlegearbeiten aus Karneol und Lapislazuli, ein goldener Zierat in Form von Entenköpfen oder eine goldene Applikation mit feinem Rankendekors und Lotusblüten, außerdem Dinge des täglichen Lebens wie Alabasteramphoren oder Rollsiegel aus Halbedelsteinen.

Die 2002 entdeckte Gruft ist in einem begehbaren Nachbau in der Ausstellung zu sehen. Diese Rekonstruktion und ein virtuelles 3-D-Modell des Herrschersitzes von Qatna vermitteln dem Besucher ein plastisches Bild von der untergegangenen Königsstadt.

Schätze des Alten Syrien – Die Entdeckung des Königreichs Qatna

Termin: 17. Oktober bis 14. März 2010. Ort: Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Stuttgart. Katalog: Konrad Theiss Verlag, 22,90 Euro. Ein Audioguide und ein spezieller Audioguide für Kinder sind im Eintrittspreis enthalten.
http://www.landesmuseum-stuttgart.de/qatna/