Bruegel, Memling, van Eyck in der Sammlung Brukenthal

Von Transsilvanien an die Seine

50 Werke vor allem flämischer Meister werden zum ersten Mal außerhalb Rumäniens öffentlich ausgestellt – im Pariser Musée Jacquemart-André

Wer bei den Begriffen "Transsilvanien" oder "Karpaten" in erster Linie an blutsaugende Grafen oder ebenso abergläubische wie hinterwäldlerische Dörfler denkt, der sollte umgehend umlernen: In Sibiu (früher Hermannstadt) existiert eines der ältesten Kunstmuseen, genau gesagt seit 1817. Zu verdanken hatten es die Bürger von Hermannstadt Samuel Baron von Brukenthal (1721 bis 1803), einem engen Vertrauten der österreichischen Kaiserin Maria Theresia. Brukenthal, ein geradezu manischer Kunstsammler, erhielt die eine oder andere Kostbarkeit auch von seiner Kaiserin. Die schickte ihn nach einer langen politischen Karriere 1777 als Gouverneur in seine Heimat Transsilvanien. Seine Kunstschätze, 1200 Gemälde, 800 Stiche und 16 000 kostbare Bücher, brachte er in seinem Privatpalais unter, das er schon zu Lebzeiten in ein Museum verwandelte, nach seinem Tod wurde es für die Öffentlichkeit zur Besichtigung frei gegeben.

Laut Testament blieb die Sammlung bis 1870 Eigentum der Familie, danach ging sie in den Besitz der evangelischen Kirche über. Im Laufe der Zeit wurde die Brukenthal-Kollektion durch Ankäufe und Schenkungen erweitert, heute ist es ein rumänisches Nationalmuseum.

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Und diese Kollektion ist jetzt zu Gast in einem Museum, das sich ebenfalls nicht durch einen allzu großen Bekanntheitsgrad auszeichnet: im Musée Jacquemart-André am feinen Pariser Boulevard Haussman, nur einen Steinwurf von den Champs-Elysées entfernt. Es beherbergt die Sammlung des Pariser Bankiers Edouard André und seiner Frau, der Gesellschaftsmalerin Nélie Jacquemart – darunter Werke der italienischen Renaissance (Sandro Botticelli, Andrea Mantegna, Paolo Uccello), niederländische Malerei (Antonis van Dyck, Rembrandt) und französische Kunst (Jean Siméon Chardin, Jean-Honoré Fragonard, Jacques-Louis David).

Diese Bestände werden nun temporär ergänzt durch Meisterwerke vorzugsweise der flämischen Malerei aus der Brukenthal-Sammlung. Dazu gehören Arbeiten von Pieter Bruegel d. Ä., Hans Memling, David Teniers d. J., Jacob Jordaens und Jan van Eyck. Von ihm stammt das wohl schönste Gemälde der Schau: das Bildnis "Mann mit blauer Kappe“. Brukenthal hatte es noch als Werk Albrecht Dürers gekauft, erst Ende des 19. Jahrhundert wurde es dann Jan van Eyck zugeschrieben.

"Bruegel, Memling, van Eyck ... Die Brukenthal-Sammlung

Termin: bis 11. Januar 2010. Ort: Musée Jacquemart-André, Paris, Boulevard Haussman 158. Öffnungszeiten: Di–So 10–18, Mo bis 19.30. Katalog: 39 Euro
http://www.musee-jacquemart-andre.com/fr/jacquemart/

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