Jenny Holzer - Fondation Beyeler

Ein übles Spiel

Die flirrenden LED-Schriftbänder der amerikanischen Künstlerin gaukeln eine poetische Schönheit vor – um auf den zweiten Blick zu verstören.
Ein übles Spiel:Jenny Holzer in der Fondation Beyeler

Blick in die Ausstellung "Jenny Holzer" in der Fondation Beyeler: Jenny Holzer, "Purple", 2008; Max Ernst, "The King Playing with the Queen", 1944 und Alberto Giacometti, "Grande femme III", 1960

Sie hat uns schon immer gewarnt. "Abuse of Power Comes as No Surprise", "dass Macht missbraucht wird, ist keine Überraschung", war einer dieser Sätze aus Jenny Holzers "Truisms"-Serie, die sie Ende der siebziger Jahre auf Poster druckte, um damit die Straßen von Manhattan zu pflastern.

In der Fondation Beyeler, die gemeinsam mit dem Museum of Contemporary Art in Chicago eine große Werkschau organisierte, durchfluten Holzers Textbotschaften Räume. LED-Bänder überkreuzen sich, Wortfetzen fließen über den Boden und gaukeln eine poetische Schönheit vor. Doch die wird, sobald man die Aphorismen verinnerlicht, harte Wirklichkeit. Die Arbeiten der 1950 in Ohio geborenen Holzer erzählen von zerbrochener Liebe, von verwirrten Gefühlen und von Krieg, Tod und Grausamkeiten.

Weil Persönliches bei Jenny Holzer schon immer auch politisch war, setzt sie Auszüge aus ehemals geheimen Militär- und Regierungsdokumenten zum Irak-Krieg ein. Dazu zählen verstörende Berichte von Verhören in Guantanamo Bay und Autopsieberichte von Folteropfern aus Abu Ghraib. In einer Arbeit mit menschlichen Knochen aus der "Lustmord"-Serie (1993–95) beschäftigt sich Holzer mit dem Krieg im früheren Jugoslawien und sexueller Gewalt. Eine Bilderserie zeigt die Handabdrücke von amerikanischen Soldaten, die im Irak unterschiedlichster Verbrechen beschuldigt wurden.

Wie im Spielkasino flirren ihre Anklageschriften als Leuchtdioden vorbei. Die Künstlerin liebt es, mit dem Betrachter ein übles Spiel zu spielen. Sie würde gern "Momente der Erleichterung kreieren", die kurzfristig vom Inhalt ihrer Arbeiten ablenken, erzählte Holzer belustigt, als ihre Ausstellung im New Yorker Whitney Museum ein Gastspiel gab. Ihrem Ruf als Meisterin der Verführung macht die Amerikanerin alle Ehre. Sie bringt einen dazu, in die dunklen Ecken des Lebens zu blicken.

"Jenny Holzer: Protect Protect"

Termin: bis 24. Januar 2010, Foundation Beyeler, Basel / Riehen. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro
http://www.beyeler.com/fondation/d/html_11sonderaus/01_aktuelle/intro.htm