Lillian Bassman & Paul Himmel - Haus der Photographie

Eleganz und Bewegung

Die amerikanischen Fotografen Lillian Bassman und Paul Himmel waren 78 Jahre lang ein Paar. In Hamburg wird jetzt ihre weltweit erste gemeinsame Retrospektive gezeigt.

Als künstlerische Leiterin von "Harper’s Bazaar" und "Junior Bazaar" veränderte Lillian Bassman unseren Blick auf Mode. Als Fotografin veränderte sie unseren Blick auf die Frauen. Und als Künstlerin veränderte sie unseren Blick auf die Welt. Obwohl die amerikanische Fotografin Lillian Bassman (geboren 1917) vor inzwischen 60 Jahren Art Directorin des legendären amerikanischen Modemagazins "Harper’s Bazaar" war, gerät die heutige Chefredakteurin, Glenda Adrianne Bailey, noch immer ins Schwärmen. Denn unter Bassmans Ägide wurde das Monatsmagazin zur erfolgreichsten Modezeitschrift der Welt.

Bassman bestimmte als künstlerische Lei­terin aber nicht nur das optische Erscheinungsbild von "Harper’s Bazaar", als Fotografin hat sie mit ihren eleganten, mondänen, von fototechnischen Experimenten gepräg­ten Aufnahmen auch die Modefotografie ent­scheidend beeinflusst. Die Experimentierfreude teilte sie mit ihrem Mann Paul Himmel (1914 bis 2009), der zwar auch als Fotograf für die berühmtesten Modeblätter gearbeitet, sich aber dann stärker in Richtung freie Fotografie entwickelt hatte.

Die beiden Fotografen, die 78 Jahre lang ein Paar waren, werden jetzt im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen mit einer großen Ausstellung präsentiert (Ka­talog: Kehrer Verlag, 48 Euro). Die von Ingo Taubhorn (Haus der Photographie) und Brigitte Woischnik (Foto Factory) organisierte Schau mit rund 500 Exponaten
ist weltweit die erste gemeinsame Retrospektive des Paares.

Lillian Bassman und Paul Himmel waren beide Kinder von Emigranten aus Russland beziehungsweise der Ukraine. Schon im zarten Alter von 15 und 18 Jahren verliebten sie sich und durften dank unkonventioneller Eltern in eine gemeinsame Wohnung ziehen. 1935 heirateten sie – Lillian als freie Textildesignerin, Paul als Lehrer. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten sie zur avantgardistischen New Yorker Kunstszene. Paul Himmel hatte inzwischen den Lehrerberuf aufgegeben und arbeitete nur noch als Fotograf, auch Lillian begann, sich für Fotografie zu begeistern.

In den fünfziger Jahren formten beide ihren charakteristischen Stil. Lillian Bassman unterzog ihre Modeaufnahmen in der Dunkelkammer den verschiedensten Verfahren, um eine Art malerischen Effekt zu erzielen. So lenkte sie etwa mit Schablonen den Lichtstrahl ab, ursprüngliche Nuancen des Negativs verschwanden, und eine Art Lichtzeichung blieb auf dem Foto zurück.

Bei ihrem Mann Paul Himmel spielte die Bewegung eine große Rolle. Ein Lieblingsmotiv der fünfziger Jahre war das New York City Ballet. Durch Langzeitbelichtungen hielt er vor allem die wirbelnde Dynamik der Tänzer fest. Ein Zirkusjongleur scheint aus einer gigantischen Blase zu entsteigen, die er im Foto selbst durch das Herumschleudern eines Seils erzeugt hat. Während Himmel Anfang der siebziger Jahre das Interesse an Fotografie verlor und Psychotherapeut wurde, arbeitet Lillian Bassman immer noch. Heute nutzt sie die Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung zur Manipulation ihrer Fotos. Hatte sie anfangs noch moniert, dass am Computer die "Sensibilität für das Papier und das Bild verloren" gehe, so war sie schnell von der Möglichkeit der Bildbearbeitung begeistert: "Ich kann’s aufräumen, ich kann’s ändern!"

"Lillian Bassman & Paul Himmel"

Termin: bis 21. Februar 2010, Haus der Photographie, Hamburg
http://www.deichtorhallen.de/650.html