M. C. Escher - Hagen

Oben ist unten, innen ist aussen

In den siebziger Jahren war Maurits Cornelis Escher so etwas wie ein Popstar der bildenden Kunst. Das Osthaus-Museum in Hagen erinnert an die große Zeit des Grafikers und zeigt zeitgleich Arbeiten des deutschen Lichtkünstlers Adolf Luther.

In den siebziger Jahren musste ja alles irgendwie mystisch, psychedelisch, vor allem bewusstseinserweiternd sein. Timothy Leary forderte Drogen für alle, William S. Borroughs baute Marihuana an und bescherte der Menschheit eine völlig neue Art des Lesens durch seine "Cut-up"-Technik, indem er Textseiten zerschnippelte und nach dem Zufallsprinzip wieder zusammenklebte. Und ein holländischer Künstler wurde in Späthippiekreisen hymnisch verehrt: Maurits Cornelis Escher (1898 bis 1972) war eine Kultfigur.

Was weniger an seiner stupenden grafischen Technik (vor allem dem Holzschnitt) lag, sondern daran, dass er in seinen Bildern die Gesetzmäßigkeiten der Welt, wie man sie kennt, aufhob, ja ad absurdum führte: Wasser fließt im allgemeinen immer bergab – in Eschers "unmöglichen Bildern" aber scheint es in einem unendlichen Strom immer bergab und gleichzeitig bergauf zu fließen. Treppen, die in alles und in nichts führen, auf denen unermüdliche Gnome bis in alle Ewigkeiten aufwärts und gleichzeitig abwärts laufen müssen; zwei Hände, die nur deshalb existieren, weil sie einander zeichnen; geometrische Formen, aus denen sich Schwärme von Vögeln, Fischen oder Schmetterlingen entfalten, die dann auch noch von einer Tag- auf die Nachtseite wechseln; beunruhigende Gewölbe, in denen es nicht mehr möglich ist, zwischen unten und oben, zwischen Decke und Boden oder zwischen konvex und konkav zu unterscheiden – Piranesis "Caceres" sind dagegen ein Ort von geradezu beschaulicher Ruhe.

"Mit seinem virtuosen Vokabular der optischen Täuschung, der raffinierten Spiegelungen und räumlichen Verschachtelungen baut Escher eine in sich stimmige Bildwelt der Fantasie und Widersprüchlichkeit auf, die durch perspektivische Überlagerungen, den Wechsel zwischen oben und unten, positiv und negativ fasziniert", schreibt Tayfun Belgin, Leiter des Hagener Osthaus-Museums, zu einer Ausstellung, die M.C. Escher auch im neuen Jahrtausend wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken will. Leihgaben kommen aus aus dem Herakleidon-Museum in Athen und der Escher Foundation in Baarn, Niederlande.

Ein Wechselspiel von Licht und Schatten

Zunächst hatten sich sich Mathematiker für Eschers Werke interessiert. So war es kein Zufall, dass Eschers erste große Ausstellung im Jahr 1954 zur gleichen Zeit wie der internationale Mathematikkongress in Amsterdam stattfand. In den sechziger und vor allem den siebziger Jahren wurden Eschers Werke als Vorlagen für Plattencover benutzt, wurden auf Postern und Kunstdrucken vervielfältigt und machten ihn weltberühmt.

Den Status als Popstar hat Escher verloren. Die letzte Ausstellung war 1969 im Bonner Kunstmuseum, ansonsten gab es diverse Beteiligungen an Gruppenausstellungen. Die Ausstellung im Osthaus-Museum will nun auf die künstlerische Seite des großartigen Grafikers verweisen, vor allem auf seinen Einfluss auf die Op Art. Außerdem schätzt Tayfun Belgin den unbestreitbaren "Unterhaltungswert", indem der Niederländer "unvermittelt Bilderrätsel aufgibt" – etwa: "Wie kann eine plane Fläche den Eindruck von Tiefe oder Höhe vermitteln und dabei immer noch eben wirken?"

Zeitgleich zur Escher-Ausstellung ist mit Adolf Luther (1912 bis 1990) ein weiterer Künstler zu sehen, der sich der Erforschung optischer Phänomene widmet. Sein großes Thema ist das Licht. Es werden Werke ausgestellt, die seit 1960 entstanden sind und zu denen auch die so genannten "Entmaterialisierungen" gehören – reliefartige Materialbilder, die auf ihrer strukturierten Oberfläche das Licht als ein Wechselspiel von Licht und Schatten sichtbar machen. Dazu gehören die klassischen Lichtobjekte Luthers aus Glas und konkav und konvex gewölbten Spiegeln, aber auch frühe und selten gezeigte Objekte aus dem Werkstoff Aluminium, die "Raumblenden" von 1964.

"M. C. Escher – Adolf Luther"

Termin: bis 14. März 2010, Osthaus Museum Hagen
http://www.osthausmuseum.de/keom.html

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