Marc Chagall - In Saarbrücken

Chagall und die toten Seelen

Eine Schau im Saarlandmuseum will zwei vernachlässigte Seiten im Werk des französischen Malers aufzeigen

Wenn auf den Bildern von Marc Chagall Figuren durch die Lüfte fliegen, wird das häufig auf russische Volkskunst und Märchen zurückgeführt. "Aber mit surrealistischen Einflüssen", meint Ralph Melcher, "wird das meist nicht in Verbindung gebracht."

Der Direktor des Saarlandmuseums will nun zwei vernachlässigte Seiten des Malers verbinden: "Chagall surréaliste" und "Chagall littéraire". Der Künstler habe in engem Kontakt zu den Surrealisten gestanden und außerdem zahlreiche Bücher illustriert – wie Nikolai Gogols Roman "Tote Seelen".

Das Saarlandmuseum besitzt mehr als 500 Arbeiten auf Papier von Chagall. Diese Erstausgaben, lithografischen Serien und Mappen bilden den Grundstock der Schau. Die Ausstellung umfasst über 200 Werke auf Papier, die von jeweils einem Gemälde aus jedem Schaffensjahrzehnt begleitet werden. Diese Leihgaben stammen aus bedeutenden europäischen Sammlungen, darunter das Centre Pompidou in Paris, die Berliner Nationalgalerie, das Kunsthaus Zürich, das Moderna Museet in Stockholm, das Musée d’art moderne de la ville de Paris und das Sprengel Museum in Hannover. Trotzdem mag Melcher nicht von einer Werkschau sprechen. Es habe in jüngerer Zeit genug Chagall-Retrospektiven gegeben, meint er, "wir versuchen, uns auf die literarischen Folgen zu konzentrieren".

"Chagall surréaliste – Chagall littéraire"

Termin: 19. Dezember bis 28. Februar 2010. Katalog: Kehrer Verlag, 29,80 Euro
http://www.saarlandmuseum.de/main.php?aid=229&detail=J&nav=118&lang=1