Kunstsaison - Die besten Ausstellungen

Von Frida Kahlo bis Basquiat

Die wichtigsten Ausstellungen und Kunstereignisse des ersten Halbjahres 2010 im Überblick
Höhepunkte des Kunstgeschehens:Die wichtigsten Ausstellungen im Überblick

Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen

Ruhr 2010: Gut 20 Kunstmuseen tragen mit dem Ausstellungsprojekt "Mapping the Region" zum Kulturhauptstadtjahr bei: In Bottrop etwa sind die Fotografien von Bergwerken und Hütten von Bernd und Hilla Becher zu sehen. Das Museum Folkwang rekonstruiert seinen Sammlungsbestand von 1933. Bei der ersten Biennale für Internationale Lichtkunst werden Privatwohnungen und Häuser des östlichen Ruhrgebiets bespielt. Und auf der Emscher-Insel besetzen rund 40 Künstler Schleusen und Industriebrachen.
Bottrop, Josef-Albers-Museum: 7.2.–2.5.2010, Essen, Museum Folkwang: 20.3.–25.7.2010, östliches Ruhrgebiet, verschiedene Spielorte: 28.3.–27.5.2010, Emscher-Insel, verschiedene Spielorte: 29.5.–5.9.2010

Frida Kahlo: "Ich male mich, weil ich die Person bin, die ich am besten kenne", sagte die mexikanische Künstlerin (1907 bis 1954). Heute sind ihre Selbstporträts Ikonen weiblicher Selbstdarstellung. In Brüssel trifft Kahlos bildnerisches Werk auf unveröffentlichte Briefe und Fotografien. Die Retrospektive in Berlin (weitere Station: Bank Austria Kunstforum, Wien, 1.9.–5.12.2010) zeigt mit 50 Gemälden und 70 teils nie ausgestellten Zeichnungen Kahlos Entwicklung von der Neuen Sachlichkeit über den Surrealismus hin zu ihrem ganz eigenen Realismus.
Brüssel, BOZAR: 16.1.–18.4.2010, Berlin, Martin-Gropius-Bau: 30.4.–9.8.2010


Monumenta 2010: Christian Boltanski – Personen: Für die dritte Monumenta hinterfragt der französische Künstler Boltanski (geboren 1944) mit einer Bild- und Klang-Installation im 13 500 Quadratmeter großen Glaspalast des Grand Palais nichts Geringeres als die Bedeutung der Menschheit. Sein riesiges "belebtes Gemälde" reflektiert das Leben, die Erinnerung und die Einzigartigkeit jedes Lebewesens, aber auch das Schicksal und den Tod. Eines der Exponate, "Réserve – Canada" von 1988, ist eine Wand voller Kleidungsstücke – Spuren des Lebens und Hinweis auf Schutzbedürftigkeit
Paris, Grand Palais: 13.1.–21.2.2010


Henri Rosseau: Entgegen seiner Beteuerung, einmal in Mexiko gewesen zu sein, hat Henri Rousseau (1844 bis 1910) Frankreich nie verlassen. Die Vorlagen für seine in kräftigen Farben und klaren Konturen gemalten Dschungelbilder fand er im Pariser Zoo, auf Postkarten oder im botanischen Garten. Während die kunsthistorische Fachwelt Frankreichs berühmten, hauptberuflich als Zöllner arbeitenden Sonntagsmaler lange verlachte, bewunderten Zeitgenossen wie Pablo Picasso oder die Surrealisten die naive Malerei des Autodidakten. Die Fondation Beyeler versammelt zum 100. Todestag 40 seiner leuchtenden Porträts, Landschaftsbilder und allegorischen Szenen.
Basel/Riehen, Fondation Beyeler: 7.2.–9.5.2010

Joseph Maria Olbrich: Schon das Frühwerk des Architekten und Gestalters der frühen Moderne, das Wiener Secessionsgebäude (1898), war bahnbrechend. Zudem wurde nach Olbrichs Plänen im Jahr 1901 die Bauausstellung auf der Mathildenhöhe in Darmstadt realisiert. Die Retrospektive (weitere Station: Leopold-Museum, Wien, 11.6.–27.9. 2010) zeigt, dass sich der österreichische Universalkünstler neben Bauaufgaben auch dem Entwurf von Innenausstattungen, Gebrauchs- und Schmuckgegenständen widmete.
Darmstadt, Mathildenhöhe: 7.2.–24.5. 2010


Vincent Tavenne: Ob man sich im Inneren des Kunstwerks oder draußen befindet, weiß man bei Tavennes spiegelnden Vitrinen und Zeltskulpturen oft nicht so genau: Durch die aus bunten Stoffen im Raum verspannten Gebilde bewegt man sich wie durch abstrakte Gemälde. In einer großen Einzelausstellung werden nun neben frühen Stoffskulpturen und monumentalen Gouachen auch neue, eigens für das Saarlandmuseum angefertigte Textilobjekte des 1961 im französischen Montbéliard geborenen und heute in Berlin lebenden Künstlers gezeigt.
Saarbrücken, Saarlandmuseum – Moderne Galerie 27.3.–6.6.2010

"Zukunft seit 1560": Als Kurfürst August im Jahr 1560 im Dachgeschoss des Dresdner Residenzschlosses die fürstliche Kunstkammer gründete, schuf er die Grundlage für eine der ältesten und bedeutendsten Sammlungen Europas. Aus ihr sind die Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hervorgegangen. Die Jubiläumsausstellung "Zukunft seit 1560" rollt die Geschichte des Sammelns auf und vereint, wie einst die frühe Kunstkammer, handwerkliche und naturwissenschaftliche Objekte mit bildender Kunst.
Dresden, Residenzschloss: 18.4.–7.11.2010


Ernst Ludwig Kirchner: Das Städel war 1919 das erste Museum, das Gemälde von Kirchner (1880 bis1938) erwarb. Das Gesamtœuvre des Malers, Grafikers und Bildhauers würdigt das Haus nun in einer 170 Werke umfassenden Retrospektive. Gemälden und Arbeiten auf Papier stehen Skulpturen und Kunsthandwerk des Expressionisten gegenüber. Neben Themen der Künstlervereinigung "Brücke", Großstadtszenen und Aktdarstellungen sowie Sujets aus der Schweizer Bergwelt werden auch das weniger bekannte, von französischer Kunst inspirierte Frühwerk und das Spätwerk präsentiert.
Frankfurt am Main, Städel-Museum: 23.4.–25.7. 2010


"Neo Rauch – Begleiter": Zum 50. Geburtstag des deutschen Malers präsentieren zwei Häuser in zwei Städten in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler 120 seiner Gemälde in einer gemeinsamen Retrospektive. Unter den Werken finden sich frühe Arbeiten, zum Teil aus Privatbesitz, die an Film- oder Propaganda-Malerei erinnern, sowie Gemälde der letzten fünf Jahre, die sich durch einen neuen Kolorismus und eine stärkere Erzählfreudigkeit auszeichnen.
Leipzig, Museum der bildenden Künste: 18.4.–15.8. 2010, München, Pinakothek der Moderne: 20.4.–15.8.2010


Basquiat: Als Jean-Michel Basquiat 1988 nur 27-jährig an einem fatalen Drogencocktail starb, war er bereits ein international gefeierter Kunststar. Seine von skelettierten Körpern bevölkerten Gemälde werden heute zu zweistelligen Millionenbeträgen verkauft. Die Fondation Beyeler erinnert mit einer großen Retrospektive daran, dass der aus einer puertoricanisch-haitianisch-amerikanischen Familie stammende, mit Andy Warhol befreundete Maler, der über Graffiti zu seinem neoexpressionistischen Malstil fand, im Jahr 2010 fünfzig geworden wäre.
Basel/Riehen, Fondation Beyeler, 9.5.–5.9.2010


6. Berlin-Biennale: Im Juni präsentieren die Kunst-Werke an verschiedenen Orten in Berlin die sechste Ausgabe ihres 1998 ins Leben gerufenen, international längst etablierten Kunstfestivals. Kuratorin ist diesmal Kathrin Rhomberg (geboren 1963), die zuvor unter anderem fünf Jahre lang den Kölnischen Kunstverein leitete und im Jahr 2000 Co-Kuratorin der Manifesta 3 im slowenischen Ljubljana war. Als Gründungsdirektorin von "Tranzit" und Leiterin des Projekts "Migration" hat sich die Österreicherin als Expertin für Kunst aus Zentral- und Osteuropa ausgewiesen. Künstler, Programm und Spielorte der Biennale werden noch bekannt gegeben.
Berlin, Kunst-Werke: 11.6.–8.8. 2010