Dan Perjovschi - New York

Bissig, treffsicher, gekritzelt

Perjovschis Zeichnungen sind ironische Statements zu den Absurditäten der heutigen Gesellschaft. Seine Themen bezieht er aus den Weltnachrichten – zu sehen sind seine "amerikanischen Postkarten" in der New Yorker Galerie Lombard-Freid Projects.

1994 wurde er für ein zehnwöchiges Stipendium nach Florida eingeladen. "Ich war begeistert", sagt der rumänische Künstler Dan Perjovschi über seinen ersten USA-Aufenthalt. Man schleppte ihn zu Museen, Sehenswürdigkeiten und Vergnügungsparks. Die Themen flogen dem inzwischen 49-Jährigen damals nur so zu.

Mit seinen Kritzelwerken bereichert er jeden Monat exklusiv das art-Magazin und trat bereits im Hamburger Kunstverein, auf der Biennale in Venedig und 2007 im Museum of Modern Art in New York auf, wo er die Wand des Atriums mit seinen satirischen Kommentaren füllte. Jetzt, 16 Jahre nach seinem US-Gastspiel, stellt der Künstler seine gesammelten "Postcards from America" in seiner New Yorker Galerie Lombard-Freid Projects aus. Perjovschi, ein gefeierter Kunststar, zeigt Zeichnungen, die er auf Reisen durch Amerika und Europa mit der für ihn typisch bissigen Treffsicherheit fertigte.

Jede Idee skizziert der Künstler zunächst und reduziert sie dann zeichnerisch und inhaltlich so weit, dass das Bild wie die Pointe einer Geschichte mit nur wenigen Linien und Worten den empfindlichen Punkt trifft. Da erschießt sich ein Männchen mit der Tankzapfsäulen-Pistole wegen der gestiegenen Benzinpreise. Der Unterschied zwischen Einheimischen und Immigranten wird anhand einer Kloputzbürste deutlich gemacht. Und den Mitbürger gibt es nicht mehr – dafür den mit Einkaufstüten beladenen Konsumenten.

Perjovschis Zeichnungen sind ironische Statements zu den Absurditäten der heutigen Gesellschaft. Seine Themen bezieht er aus den Weltnachrichten. Besonders interessieren den Künstler, der unter der Diktatur von Nicolae Ceauşescu lebte, die Spannungen zwischen Ost und West, die Widrigkeiten, die das vereinte Europa mit sich bringt, Rassismus, Kapitalismus, Postkommunismus, Menschenrechte und die von Amerika geprägte Konsumkultur.
1989 erlebte Perjovschis Heimatland eine Revolution, die in der Hinrichtung Ceauşescus gipfelte. Aber es sollte bis 2007 dauern, bis seine erste große Ausstellung in Bukarest stattfand, bei der die schlimmen Seiten des Kommunismus und der Diktatur Thema waren. "Wir haben nach der Revolution über Demokratie und unsere neue Freiheit diskutiert. Doch was kam, waren Supermärkte und Shoppingzentren", meint Dan Perjovschi. "Wenn ich mich heute mit Künstlern in Rumänien unterhalte, wollen sie am liebsten über Geld sprechen." So sieht es aus in der schönen neuen Welt. Die Themen gehen Dan Perjovschi leider niemals aus.

"Postcards fom the World"

Termin: bis 20. Februar 2010, Lombard-Freid Projects, New York
http://www.lombard-freid.com/