Afro Modern: Chris Ofili - Tate Liverpool & Tate Britain

Abendmahl für eine Affenhorde

Zweimal Kunst mit afrikanischen Wurzeln: Chris Ofili, Sohn nigerianischer Eltern, und die Fusion schwarzer Kultur mit Kulturen rund um den Atlantik.

Elefantendung hat Chris Ofili berühmt gemacht. Er klebte die runden Kötel auf seine farbenfrohen Gemälde und lehnte diese an die Wand, gestützt auf dicke Kotklumpen. Kontroverse ließ da nicht lange auf sich warten: Als er 1998 mit dem Turner-Preis der Londoner Tate Britain ausgezeichnet wurde, schüttete ein erboster Kunstfreund eine Ladung Kuhdreck vor das Museum.

Die Werkschau des 1968 im nordenglischen Manchester geborenen Sohns nigerianischer Eltern bringt mehr als 40 seiner Gemälde sowie eine Reihe von Zeichnungen zusammen (Katalog: 19,99 Pfund). Im Mittelpunkt steht die groß angelegte Installation "The Upper Room" (1999 bis 2002). In einem mit Holz verkleideten Raum hängen 13 Gemälde von Rhesusaffen, jedes in einer anderen Farbe, der zentrale Affe am Kopfende des Raums erscheint in blendendem Weiß. Nicht nur der an eine Kapelle erinnernde Raum lässt an Christus und seine Jünger beim Abendmahl denken.
In den letzten Jahren wandte sich Ofili verstärkt dem Thema Landschaft zu. Seit dem Sommer 2005 lebt und arbeitet er auf Trinidad, die tropische Landschaft der karibischen Insel hat ihn nachhaltig beeinflusst. Seine Palette veränderte sich, beschränkte sich zunächst auf fast magische Blau- und Grüntöne und wurde dann wieder farbiger. In letzter Zeit malt er auch direkt in der Landschaft, wie bei dem Bild "The Healer" (2008), das einen mythischen Medizinmann darstellt, der sich an Baumblüten labt.

Die Schau endet mit einigen ganz neuen Gemälden, die noch nie öffentlich zu sehen waren.
Die Tate Liverpool geht unterdessen auf "Reisen auf dem Schwarzen Atlantik", so der Untertitel der Schau "Afro Modern" (Katalog: 18,99 Pfund). 1993 beschrieb der Brite Paul Gilroy in einem einflussrei­chen Buch die Fusion schwarzer Kulturen mit anderen Zivilisationen rund um den Atlantik, von Nord- und Südamerika über die Karibik bis nach Europa. Die Schau will diese wechselseitige Beeinflussung seit Anfang des 20. Jahrhunderts aufzeigen. Sie beginnt mit der Bedeutung afrika­nischer Kunst für Künstler wie Pablo Picasso und endet mit schwarzen Künstlern von heute, die sich die Sprache der Kunst des Westens zu eigen gemacht haben, um ihre eigene Identität auszudrücken. Die Gemälde von Chris Ofili dürfen auch hier natürlich nicht fehlen.

"Afro Modern. Journeys through the Black Atlantic"

Termin: 29. Januar bis 25. April 2010, Tate Liverpool. Und: "Chris Ofili", 27. Januar bis 16. Mai 2010, Tate Britain, London
http://www.tate.org.uk/liverpool/exhibitions/afromodernism/default.shtm

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