Mary Heilmann - Museum Ludwig Köln

Rasender Stillstand

Autorennen, Wellenreiter und Punkrock – in Mary Heilmanns Abstraktionen fließt einige Dynamik ein.
Rasender Stillstand:Mary Heilmann im Museum Ludwig

Mary Heilmann: "Thief of Baghdad", 2007, Holzschnitt, Linolschnitt, Archivtinte, 73 x 98 cm

Die 1940 in San Francisco geborene Mary Heilmann, die den Surfern an den kalifornischen Stränden in ihrer Jugend zugesehen hat, verarbeitet die Hingabe an das Fließende und die Faszination für rasante Gewalten zu abstrakter Malerei, Aquarellen und Drucken. "Winter Surf, San Francisco", "Surfing on Acid", "9th Wave" oder "Ocean" heißen die Bilder, und sie zeigen oft schaumig gemalte, geschichtete Horizontalen, in denen eine Reminiszenz an die Gischt gebrochener Wellen zu erkennen ist.

Auf neuen, nun in Köln aus Anlass des An­kaufs einer Werkgruppe erstmals ausgestellten Grafiken (Katalogheft: Strzelecki Books, 9,80 Euro) führt Heilmann die enge Korrespondenz zwischen Abstraktion und aus dem Leben gegriffenen Inspirationsquel­len fast belehrend deutlich vor Augen: Bunte Rechtecke vor schwarzen Grund stehen da direkt neben einem Foto auf Asphalt gepark­ter Autos. Abstrakt auf einen Fluchtpunkt hin laufende, blaue Balken wer­den neben die Abbildung einer auf den Horizont hin fliehenden Straße gestellt – ein von Heilmann vielfach variiertes Thema, zu dem sie mit Titeln wie "Vanishing Point" oder "Two Lane Blacktop" so temporeiche wie romantische Roadmovies der Siebziger assoziiert.

Neben Autorennen und kalifornischen Surfern lässt Heilmann auch Punkrock, Erinnerungen an persönliche Beziehungen oder die Farbpalette der "Simpsons"-Fernsehserie als Vorlagen für ihre oft leuchtend bunten Bilder gelten. Mit solcher Weltzugewandtheit und kühnen Experimentierfreude trat die seit 1968 in New York lebende Künstlerin ab den späten Sechzigern gegen die hoch vergeistigte Farbfeldmalerei, geometrische Abstraktion und strenge Minimal Art ihrer – überwiegend männlichen – Künstlerkollegen an. Gerade in den letzten Jahren zieht sie dafür die Sympathien vor allem junger Malerinnen auf sich.

Inmitten einer von digitalen Bildern überschwemmten Welt, erklärt sich die 70-Jährige selbst bescheiden ihren wachsenden Erfolg, sehnten sich viele wohl danach, "etwas zu sehen, das still und leise an der Wand hängt". Viel Rasanz ist in diesem Stillstand enthalten. Und um die Dynamik einer Welle zu begreifen, muss man schließlich nicht selbst auf einem Surfbrett darauf reiten – es reicht schon, anderen in Gedanken dabei zuzusehen.

"Rasender Stillstand"

Termin: bis 11. April 2010, Museum Ludwig Köln
http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig/

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