Paul Gauguin - Van Gogh Museum

Avantgarde statt Spiegeln

Das Van Gogh Museum in Amsterdam hat eine zukunftsweisende historische Ausstellung rekonstruiert: Paul Gauguins "Volpini-Suite".

Schuld an allem war ein Pariser Spiegelproduzent, der nicht rechtzeitig lieferte. Damit trieb er seinen Kunden, einen Kneipenwirt namens Volpini, an den Rand der Verzweiflung: Denn was sollte der nun an die karminroten Wände seines neuen Cafés hängen, mit dem er die Besucher der vierten Weltausstellung 1889 auf dem Expo-Gelände überraschen wollte?

Emile Schuffenecker, ein Pariser Neoimpressionist, der sich der Künstlerkolonie seines Freundes Paul Gauguin (1848 bis 1903) in Pont-Aven angeschlossen hatte, witterte die Chance seines Lebens. Umgehend setzte er sich mit Gauguin in Verbindung, der Rest ist Geschichte: Monsieur Volpini verpasste seinem Etablissement den Namen "Café des Arts", pfiff auf den Publikumsgeschmack und zeigte auf dem Expo-Gelände Avantgardekunst von Gauguin und dessen Jüngern, darunter Schuffenecker.

"Ein verwegener Coup, ein Guerilla-Vorstoß", sagt Belinda Thomson. Die Gauguin-Expertin hat im Auftrag des Cleveland Museum of Art und des Amsterdamer Van Gogh Museum alle Arbeiten zu identifizieren versucht, die Gauguin damals zeigte. Auslöser war die bislang wenig beachtete so genannte "Volpini-Suite", eine Serie von elf Zinkdrucken, die der Künstler seinerzeit auf Anraten von Theo van Gogh speziell für die Schau angefertigt hatte. Beide Institute haben sie komplett in ihrem Besitz. Das Ergebnis von Thomsons Analyse ist eine "Ausstellung über eine Ausstellung" mit rund 60 Werken, die nun nach Cleveland in Amsterdam zu sehen ist. Im ersten Teil steht die Ausstellung im "Café des Arts" im Zentrum, mit Werken von Gauguins Kollegen, der kompletten "Volpini-Suite" und einigen Gemälden, mit denen Gauguin darüber hinaus vertreten war.

Im zweiten Teil wird nachvollzogen, weshalb Volpinis Café der Schauplatz eines zukunftweisenden Ereignisses war: Arbeiten aus Gauguins späterem Œuvre sollen deutlich machen, dass der Maler mit den Zinkdrucken 1889 seine künstlerische Visitenkarte abgegeben hatte. Was Stil und Themen betrifft, sind sie charakteristisch für sein gesamtes späteres Schaffen. Die bretoni­schen Bäuerinnen, die Nackten und Badenden, seine Südseelandschaften oder die berühm­ten Arlésiennes – sie alle schmückten bereits die karminroten Wände vom Café des Arts. Statt Spiegeln.

"Paul Gauguin: Der Durchbruch zur Moderne"

Termin: 19. Februar bis 6. Juni 2010, Van Gogh Museum Amsterdam. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 32,50 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro
http://www.vangoghmuseum.nl

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