Leipziger Fotografie - Opelvillen Rüsselsheim

Ode an den Alltag

Die Stiftung Opelvillen in Rüsselsheim zeigt vom 24. Februar bis 16. Mai in der Ausstellung "Mit Abstand ganz nah – Fotografien aus Leipzig" Arbeiten von ehemaligen Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, die zu DDR-Zeiten die wichtigste Ausbildungsstätte für künstlerisch ambitionierte Fotografen war.

Den Grundstock der Ausstellung bilden 40 Arbeiten aus der Sammlung des Kunstmuseums Dieselkraftwerk in Cottbus, die zu den bedeutendsten ostdeutscher Fotokunst zählt. Des Weiteren werden Arbeiten aus den späten siebziger Jahren bis in die Gegenwart vorgestellt. 25 Künstler zeigen mit 140 Werken ihren Blick auf die Gesellschaft der DDR.

In den siebziger Jahren wuchs dort eine Fotogeneration heran, die das Alltags- und Arbeitsleben der in der DDR lebenden Menschen darstellt. Die Fotografen haben versucht, Bilder der gesamten Gesellschaft zu machen, die nicht dem offiziellen Selbstbild der DDR entsprochen haben. So zeigen sich auf den Bildern oft Situationen, bei denen sich die sozialen Zwänge abzeichnen. Dabei treffen ganz unterschiedliche künstlerische Positionen aufeinander: Christian Borcherts Bilder zeigen beispielsweise Menschenmassen auf Versammlungen, Werner Mahler hingegen widmet sich eher dem Einzelnen, wie einem nackten Kohlearbeiter in einem Bergwerk. Ohne den sozialen Bezug zu verlieren, stellt Borchert den künstlerischen und Mahler den dokumentarischen Aspekt in den Vordergrund.

Menschen in oft traurig-tristen Situationen

Die meisten Arbeiten vor dem Mauerfall sind ohne staatliche Legitimation und nicht im Auftrag einer Redaktion entstanden: So auch die Bilder von Gundula Schulze Eldowy. Mit ihrer Arbeit "Berlin. In einer Hundenacht" (1977 bis 1989) hat sie schockierende Aufnahmen gemacht. Die Arbeiten stellen Menschen oft in traurig-tristen Situationen im Alltag dar, wie einen dicken Mann in seinem engen Wohnzimmer. Werner Mahler fofografiert ebenfalls den Alltag: In dem Dorf Berka in Thüringen hat er über das ganze Jahr 1977 das Dorfleben mit seiner Kamera begleitet. Dabei sind rund 150 Arbeiten entstanden. Durch Porträts von Menschen verschiedener Generationen und Fotos von den offiziellen Anlässen wird das Dorfleben erzählt.

Doch auch die moderne Stadtentwicklung wird thematisiert: Matthias Hoch gehört zu einer Generation, die nach 1980 in Leipzig ausgebildet wurde. Er begreift den Raum abstrakt und lässt in seinen Bildern keine Schriftzüge oder lokalen Details mehr erkennen, die den Ort bestimmen. Die neuere Generation wird unter anderem von Tobias Zielony repräsentiert. Er fotografiert Jugendgruppen, die keinen Platz in der Gesellschaft gefunden haben. Bei ihm verwischen die Grenzen zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie.

"Mit Abstand ganz nah – Fotografie aus Leipzig"

Termin: 24. Februar bis 16. Mai, Opelvillen Rüsselsheim
http://www.opelvillen.de/