Contemplating the Void - Guggenheim New York

Neun Leben im Guggenheim

Unter dem Motto "Contemplating the Void" wurden 200 Kreative eingeladen, um Ideen für den künftigen Verwendungszweck der berühmten Guggenheim-Rotunde zu entwickeln. Ab heute können die Entwürfe Online ersteigert werden.

Es sieht nicht gut aus für die Kultur. Jedenfalls, wenn man den 200 Architekten, Designern und Künstlern Glauben schenkt, die vom New Yorker Guggenheim Museum eingeladen wurden, Ideen für den zukünftigen Verwendungszweck der berühmten Rotunde zu entwickeln.

"Die Teilnehmer wurden mit Plänen und Fotos des Gebäudes versorgt und benutzten es wie eine Skulptur", erklärte Kuratorin Nancy Spector bei der Eröffnung der Ausstellung. Unter ihnen sind bekannte Namen wie Pipilotti Rist, Anish Kapoor, Zhang Huan, Lawrence Weiner, Hiroshi Sugimoto oder Christoph Büchel und junge Künstlerinnen wie Phoebe Washburn und Mika Rottenberg. Bei den Architekten sind Zaha Hadid und Daniel Libeskinds Büro vertreten, deren Entwürfe man sofort an der eindeutigen Handschrift erkennt.

Der Titel der anlässlich des 50. Geburtstages des Museums bescheiden in einem Nebenraum der berühmten Rotunde präsentieren Ausstellung ist "Contemplating the Void: Interventions in the Guggenheim Museum": Die Leere dient als Inspiration, die Lücke wird mit einem Blick in die Zukunft gefüllt. Es sind zauberhafte Entwürfe dabei, die mit der Rotunde als Rahmen spielen. Sei es der halbtransparente, begehbare Ballon von den chinesischen MAD Architekten, der aus dem Museum emporsteigt. Anish Kapoors roter Dampfstrahl, der in die Rotunde hinab gestoßen wird oder das Geflecht aus Lichtröhren von Leeser Architecture in Brooklyn.

Bei vielen Entwürfen hat die Natur über die Kunst gesiegt

Der Künstler Doug Aitken ist einer der wenigen, die das Gebäude hinter sich ließen und stattdessen aus dem ikonenhaften Schneckenbau ein alltagstaugliches Kostüm kreierten, ein Art Kunst-Burka mit Sehschlitz. Josephine Meckseper setzt eine Bohrinsel in das Gebäude. Der amerikanische Architekt und Künstler Fritz Haeg malte die Rampen in Regenbogenfarben als permanenten Schauplatz für die Gay Parade an. Der mexikanische Künstler Damián Ortega lässt die Klippenspringer von Acapulco in das mit Wasser gefüllte Museum abtauchen. Andere verwandelten es in Abenteuerspielplätze mit Netzwerken, Hängebrücken und Wasserrutschen oder, so Vito Acconcis Studio, in ein virtuelles Spider-Museum, bei dem die Besucher an Fäden hängend durch die Rotunde fliegen und immerhin über neun Leben verfügen. Das französische Künstlerkollektiv Claire Fountaine forderte unter dem Motto "Vertigo" den Abriss des gesamten Geländers. N55 aus Dänemark verteilte "Antipower-Kits", damit die Besucher das Gebäude beschädigen und dafür Pflanzen sähen können. Die deutschen Architekten Bolles+Wilson aus Münster stellten einen überlebensgroßen Joseph Beuys in das Museum und ließen den Künstler über die Brüstung des obersten Stockwerkes in die Zukunft blicken. Thomas Hirschhorn nutzte den Innenraum, um gewaltige Protest-Plakate aufzuhängen und um die universelle, autonome und provokative Kraft der Kunst anzumahnen.

Doch bei auffällig vielen Entwürfen hat die Natur über die Kunst gesiegt. In Terunobu Fujimoris New York hat sich im Jahre 2109 auf der auf den Kopf gestellten Rotunde ein Wald angesiedelt. Bei Sou Fujimoto Architects bahnten sich in 10 000 Jahren gewaltige Bäume ihren Weg durch das Deckenlicht. Olson Kundig Architects aus Seattle siedelten einen Markt mit Schafherden und Gemüseständen an. Bei Saunder Architecture aus Norwegen schlängelt sich ein Bach durch die Rotunde. Und Frank Lloyd Wright persönlich lehnt mit zufriedenem Blick an einem Baumstamm.

"Contemplating the Void: Interventions in the Guggenheim Museum"

Termin: bis 28. April, Guggenheim Museum, New York
http://www.guggenheim.org/new-york/exhibitions/on-view-now/contemplating-the-void

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