Max Weiler – Die Natur der Malerei - Klosterneuburg

Inspiriert vom Schmierpapier

Das Essl-Museum in Klosterneuburg stellt derzeit die Malerei der Jahre 1962 bis 1967 des Österreichers Max Weiler vor. Seine abstrakten Landschaften werden dabei chinesischen "Gelehrtensteinen" gegenübergestellt.

Die Legende sagt, dass der Maler Wassily Kandinsky durch Zufall zur Abstraktion gekommen ist: In seinem Atelier erblickte er ein Gemälde "von außergewöhnlicher Schönheit" – völlig abstrakt. Es war ein gegenständliches Bild, das auf dem Kopf gestanden und dadurch eine völlig andere Anmutung bekommen hatte.

Ein Zufall brachte auch den Maler Max Weiler (1910 bis 2001) zur gegenstandsfreien Malerei: Der Österreicher hatte den hohen ästhetischen Reiz der Papierblätter ("Probierpapiere") entdeckt, auf denen er Farben mischte oder den tropfenden Pinsel abwischte. Diese Farbformen waren ohne vom Verstand gesteuerten Malprozess entstanden – unbewusste, pure Malerei. Das war zu Beginn der sechziger Jahre. Weiler wählte Details aus diesen Spontanformen aus und setzte sie in größere Formate um. Entdeckt hatte dies die Kunsthistorikerin Margret Boehm: Sie hatte im Herbst 2009 auf Weilers Schmierpapieren mit Bleistift ausgeführte rechteckige Ausgrenzungen von Flächen und auch erste, nach winzigen Details gemalte Bilder entdeckt. Überraschend sei die "Konsequenz der exakten, ja geradezu demütig-minuziösen Übertragung von Ausschnitten sowohl der Komposition als auch der Binnenstrukturen", wie Edelbert Köb, Kurator der Ausstellung im Essl-Museum, im Katalog schreibt. Diese Methode blieb zwar eine Episode, aber eine entscheidende – legte sie doch das Fundament für Weilers späteres Werk.

Wuchtige Pinselhiebe in meist erdigen Tönen

Die Ausstellung im Essl-Museum (Katalog: Hirmer Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 35 Euro) hat Weilers Malerei der Jahre 1962 bis 1967 zum Inhalt. In dieser Zeit entstand vor allem die äußerst wichtige Serie von Gemälden, die den Titel "Wie eine Landschaft" trägt. "In diesen Bildern gelang Weiler der Durchbruch seines bisherigen Strebens, Naturprozesse in Malerei umzusetzen", heißt es dazu in der von Yvonne J. Weiler herausgegebenen Monografie. "Eine unglaubliche Möglichkeit, die mich 50 Jahre von Einfällen und Suchen kostete", schrieb Weiler selbst in seinen "Tag- und Nachtheften".

In der Schau im Essl-Museum ist eine auf den ersten Blick merkwürdige, auf den zweiten aber äußerst sinnfällige Gegenüberstellung zu erleben: Weilers mit wuchtigen Pinselhieben und in meist erdigen Tönen komponierte Abstraktionen werden gemeinsam mit chinesischen Gelehrtensteinen (Suiseki) präsentiert. Das sind von Wind und Wasser geformte Steine, die vom Menschen künstlerisch arrangiert werden. Die von der Natur "unbewusst" entstandenen Formen sind mit denen in Weilers Gemälden oft auf verblüffende Weise verwandt.

"Max Weiler - Die Natur der Malerei"

Termin: bis 29. August, Essl-Museum, Klosterneuburg. Katalog: Hirmer Verlag, 29 Euro
http://www.sammlung-essl.at/

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