Vincent Tavenne - Saarlandmuseum

Hypnose in der Räuberhöhle

Skulpturen aus Stoffen und Holz von Vincent Tavenne sowie Objekte aus unterschiedlichen Werkphasen des Franzosen.

Was an den Arbeiten Vincent Tavennes sofort fasziniert, ist ihre Verspieltheit, ihre Schönheit und Farbigkeit. Dergleichen ist in der zeitgenössischen Kunst eher selten. Meist weiß man nicht einmal genau, in welche Gattung man ein Objekt des französi­schen Künstlers denn nun einordnen soll. Handelt es sich um konkrete oder abstrakte Kunst? Um Skulptur, Architektur oder doch um Malerei?

Manches ist begehbar, so dass der Außen- eine Innenansicht folgt. Dann wieder steht man vor einer orangefarbenen Kugel, die zwar groß ist, aber keineswegs massiv, sondern ganz leicht aussieht, weil ihr fragiles Gerüst durch die Außenhaut schimmert. Meist sind es geometrische Grundformen wie Kreis oder Quadrat, aus denen der Künstler seine bezaubernden Gebilde zusammensetzt, mal zwei-, mal dreidimensional. Das Formenrepertoire seiner architektonischen Stoff- oder Holzskulpturen, die teils um komplizierte Gerüste herum konstruiert, teils ganz simpel zusammengeschustert sind, scheint den unterschiedlichsten Quellen zu entstammen. Mal wirken sie wie Räuberhöhlen oder mittelalterliche Pavillons, dann wieder erinnern sie an Richard Buckminster Fullers geodätische Kuppel-Architekturen oder an die Vergrößerung eines naturwissenschaftlichen Modells. Neben den raumgreifenden Stoffobjeketen erstellt der Künstler, der 1961 in Montbéliard geboren wurde und in Berlin lebt, auch fragile Objektassemblagen aus Pappe und Gips, Malereien auf Papier oder Bronzegüsse von surreal verfremdeten Alltagsgegenständen.

Gemeinsam ist den stets farbenfrohen Gebilden Tavennes ihre leichte Transportier- und Aufstellbarkeit. Als handele es sich um vorübergehende Behausungen, die man mal eben schnell aufsuchen kann, weil man eine kurze Pause von der Realität braucht.Genauso verhält es sich übrigens mit Tavennes Grafiken, etwa einer Ansammlung bunter Spiralen vor schwarzem Hintergrund, die mit der Aufforderung "hypnotise-toi" (hypnotisiere dich) versehen sind.

Bei der Schau im Saarlandmuseum (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 30 Euro), der ersten musealen Einzelausstellung Tavennes, werden neben eigens für den Raum geschaffenen Skulpturen aus Stoffen und Holz auch ältere Zeltobjekte, großformatige Gouachen sowie plastische Objekte aus ganz unterschiedlichen Werkphasen gezeigt, wobei der Fokus auf neueren Wandobjekten wie "Masken" und "Psychokisten" liegt. Letztere sind anspielungsreiche Objektkombinationen, die wie dreidimensionale Stillleben anmuten und zur Kontemplation über die Fragen des Daseins einladen.

"Vincent Tavenne. Polarise-toi"

Termin: 27. März bis 6. Juni, Saarlandmuseum, Moderne Galerie
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