Le grand geste!/Karl Otto Götz - Düsseldorf/Remagen

Geschleuderte Farben

Gegenstandslose Malerei vom Abstrakten Expressionismus bis zum Informel und Karl Otto Götz, ein Zeitzeuge dieser Entwicklung in Europa.

Der Gegenstand verlor in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Malerei immer mehr an Bedeutung, bis abstrakte Gemälde eines Tages Ausdruck und Beweis für die befreiende, ja ekstatische Kraft des Malens waren. Über den Erfinder dieser gestischen Malerei lässt sich trefflich streiten – war es William Turner, war es Vincent van Gogh?

Über ihren End- und Höhepunkt herrscht hingegen Einigkeit: Mit Jackson Pollocks Action Painting wurde die Malerei zur Arena der körperlichen und geistigen Verausgabung. Diese Heldengeschichte von Aufstieg und Ruhm des Abstrakten Expressionismus wird nun im Düsseldorfer Museum Kunstpalast durch eine Ausstellung (Katalog: DuMont Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 39 Euro) zur gestischen Malerei zwischen 1946 und 1964 vertieft. Sie fasst deren mal extrovertierte, mal verinnerlichte Spielarten zusammen und erinnert auch an den mit Begriffen wie Informel oder Tachismus verbundenen europäischen Anteil an dieser Entwicklung. Insgesamt 120 Werke werden präsentiert, darunter zahlreiche Arbeiten deutscher Künstler wie Gerhard Hoehme, Bernard Schultze oder Karl Otto Götz.

Götz ist einer der letzten Zeitzeugen der Entstehung und der Entwicklung des Informel. Der 1914 in Aachen geborene Maler übte sich bereits mit 16 Jahren "fast mit Verbissenheit", wie er selbst sagt, darin, "gewisse Sequenzen aus Musikstücken zeichnerisch darzustellen". Zu Beginn der fünfziger Jahre, in der "Zeit des Experimentierens und Suchens", so Barbara Nierhoff-Wielk, Kuratorin der großen Götz-Ausstellung im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen (Katalog: Kerber Verlag, 35 Euro), kam er mehr zu der für ihn charakteristischen Malweise: Um die Konsistenz frisch angerührter, flüssiger Kaseinfarbe zu prüfen, verstrich er sie auf Karton und kratzte Spuren mit dem Küchenmesser hinein – und war von der Wirkung überrascht. Mit einem "Stück Plattengummi auf Holz genagelt", so Götz, hat er dann "in die Farbe hineingerakelt, sie geschoben und geschleudert". Der "extrem dynamische Arbeitsprozess" (Nierhoff-Wielk) war "die wohl wichtigste Bedingung für die gelungene formale Erneuerung der Kunst durch das Informel".

"Le grand geste! / Karl Otto Götz"

Termin: bis 8. August, Karl Otto Götz, Arp-Museum, Remagen. Termin: Katalog: Kerber Verlag, 35 Euro. Und: 10. April – 1. August, "Le grand geste!", Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Katalog: DuMont Verlag, 29 Euro
http://www.arpmuseum.org/

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