Neo Rauch - Leipzig / München

Torten und Terrinenfleisch

Neo Rauchs 50. Geburtstag und die beiden Ausstellungen in Leipzig und München gaben in der letzten Woche Anlass für Glückwünsche, Lob und Kritik. Ein Geburtstagsspaziergang durch die Feuilletons. Außerdem präsentiert art alle neuen Bilder von Rauch.
Torten und Terrinenfleisch:Neo Rauch in den Feuilletons

Neo Rauch vor seinem Bild "Kalimuna" in der Pinakothek der Moderne, München

"Neo Rauch – das ist ein nur schwer in Worte zu fassendes Phänomen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (21. April), doch Worte über Neo Rauch gab es in der letzten Woche viele, denn in Leipzig und München wurden zwei Retrospektiven des Künstlers eröffnet. "Ich bin ja seltsamerweise schon mit einer solchen Fülle von Retrospektiven ausgestattet worden, dass ich mich manchmal fragen muss, wie alt ich eigentlich tatsächlich bin", sagt Neo Rauch in der "Tageszeitung München" vom 16. April. 50 Jahre ist er geworden, und so feiert die Presse den berühmten Leipziger Maler.

"Bei Neo Rauch ist erst einmal die Magie da, das Staunen, das aus der unbekannten Herkunft der Bilder stammt. (...) Rauch ist im Olymp angekommen, und es zeugt vom Rummel um ihn, dass jetzt sogar schon sein 50. Geburtstag am 18. April öffentlich mit einer großen Doppelschau in Leipzig und München begangen wird." ("Frankfurter Rundschau", 17. April)

Rauch selbst wundert sich: "Ich weiß beim besten Willen nicht, warum ich so ein Retrospektiven-Hirsch bin." ("Tageszeitung München", 16. April) Auf diese Frage findet Tim Ackermann eine Antwort, indem er die Faszination eines Besuches einer Neo Rauch-Retrospektive beschreibt. "Der Besuch (ist) weniger ein schnelles Abschreiten der Highlights und eher ein langsames Abgleiten in das Universum des Künstlers, in dem verschiedene Figuren und Themen unablässig durch die Bilder kreiseln, die Werke miteinander reden und allmählich gemeinsame Erzählungen anstimmen, von Erschöpfungszuständen, gesellschaftlichem Auseinanderdriften, den magischen Kräften der Natur, jähen Gewaltausbrüchen, den Schwierigkeiten der Malerei und auch immer wieder von der Gemeinheit der Kunstkritik." ("Die Welt", 15. April)

Kritik, Lob und Terrinenfleisch

Womit wir bei dieser angelangt sind. Das Lager der Kritiker ist im Punkt Neo Rauch gespalten und feiert seinen Geburtstag mit einer kleinen Tortenschlacht. "Rauch ist nicht "das nächste große Ding" und schon gar nicht der Retter der Malerei", schreibt Adrian Searle in art (Ausgabe 4/2010). "Gerade die fehlende Programmatik, der verweigerte Gegenwartsbezug hat die Kritiker Rauchs immer abgestoßen. Und in der Tat geht auch in dieser zusammengestellten Schau zuweilen das Gefühl einer staunenden Alice im Wunderland verloren", so die Worte von Sebastian Preuss in der Berliner Zeitung. Weitere Kritik auch von Jerry Saltz in art (Ausgabe 4/2010): "Ich finde, da ist so etwas Kleinliches und Verworrenes in Rauchs Arbeit, das sie am Ende aus der Kunstgeschichte herausfallen wird."

Diese harte Kritik auf der einen Seite stößt auf Lob von der anderen. "Mit seinen magischen, rätselhaften Riesenleinwänden (…) hat der Künstler jedenfalls eine eigenartige neue Bildsprache geschaffen, die zeitlos wirkt und grenzüberschreitend fasziniert" ("Focus", 12. April). "Jetzt wird das mit Neo Rauch eigentlich erst richtig interessant. Jetzt kommt das Werk dahin, wo die Worte immer schon waren." ("Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", 11. April)
So feiert man nicht nur den Geburtstag und die aktuellen Ausstellungen, sondern blickt erwartungsvoll in die Zukunft, was auch das Geburtstagskind tut: "Ich habe nicht die Absicht, ein Tischfeuerwerk abzufackeln, sondern das soll sich noch über ein paar Jahrzehnte erstrecken." ("Stern", 15. April)

Viele Worte zur großen Geburtstagsfeier, die vielleicht schönsten fand Jonathan Meese: "Neo Rauch macht zur Malerei hin täglich eine Tagessuppe aus Terrinenfleisch, Entenbrust, Austern und Bohnen." ("Süddeutsche Zeitung", 20. April) Lassen wir es uns also weiterhin, wenn vielleicht auch manchmal mit gerümpfter Nase, schmecken.

"Neo Rauch - Begleiter"

Termin: bis 15. August, Museum der bildenden Künste Leipzig und Pinakothek der Moderne München
http://www.neo-rauch-ausstellung.de/