Jürgen Klauke - ZKM Karlsruhe

Rapunzel im fremden Bett

Das ZKM in Karlsruhe päsentiert eine Ausstellung des deutschen Foto- und Performancekünstlers Jürgen Klauke im Museum für Neue Kunst.

Vom Geschlechterverwirrspiel in seinem Künstlertagebuch "Ich und Ich" (1971) über das mehrteilige Werk "Formalisierung der Langeweile", in dem eine nackte Frau und zwei angezogene Männer rituelle Handlungsfragmente aufführen, die aber keine Gemeinsamkeit zwischen ihnen herstellen (1980/81), bis zu den slapstickartigen Fotos der Serie "Sonntagsneurosen" (1990/92) – seit Anfang der siebziger Jahre setzt sich der Foto- und Performance-Künstler Jürgen Klauke spielerisch und provokativ mit gesellschaftlichen Verhaltensmustern auseinander.

Es geht um katholische Erziehung, sexuelle Eindimensionalität und bürgerliche Zwangsjacken. Klauke, Jahrgang 1943, ist ein Zampano der existenziellen Leere, der am helllichten Tag und am eigenen Leibe erprobt, was in dunkler Nacht unser aller Unbewusstes bewegt.

In der Fotografie arbeitet der in Köln lebende Klauke meist mit großformatigen Serien, in denen minimale Wiederholungen plötzlich in rasanten Aktionen explodieren. Das gilt auch für einen der beiden unveröffentlichten Werkblöcke, die jetzt im Karlsruher ZKM ausführlich vorgestellt werden (Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro). In der "Ästhetischen Paranoia" taucht das namenlose Alter Ego des Künstlers erst nur in unscharf auf. Erst spät erscheint Klauke wiedererkennbar als lakonischer Protagonist zwischen dem Stummfilmstar Buster Keaton und dem österreichischen Aktionskünstler Wolfgang Flatz. Am Schluss befindet er sich mit pechschwarzem, das Gesicht verdeckendem Rapunzelhaar in einem fremden Bett wieder.

Verkleidung, Maskierung, das Spiel mit Tischen, Stühlen, Betten und leeren Behältnissen: Die Mischung von minimalistischer Strenge, absurdem Slapstick und existenzieller Aggression sind von Anfang an Klaukes Leitmotive. Seine Fotoarbeiten sind Hin­gucker, elegante Bildkompositionen mit unterkühltem Humor und lakonischen Inszenierungen, die mit einem Minimum an Aufwand für maximale Verwirrung sorgen. So auch seine neueste Serie der "Schlachtfelder", einer über 16 Meter langen Wandarbeit, bestehend aus zwölf Tableaus, in denen Klauke vertraute Accessoires vorheriger Serien wie Stühle oder Wasserballons mit im Kölner Großmarkt fotografierten Aufnahmen von Rindermägen und Blut konfrontiert: Bilder in explodierenden Rottönen, die in ihrer strengen Komposition Vanitas, Stillleben und Farbfeldmalerei in einem sind.

"Jürgen Klauke. Ästhetische Paranoia"

Termin: bis 3. Oktober, ZKM Karlsruhe
http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$6992

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