Jockum Nordström und Mamma Andersson - David Zwirner New York

Stille Momente

David Zwirner stellt Werke des Künstlerehepaars Jockum Nordström und Mamma Andersson in seiner New Yorker Galerie aus. Mit dabei: tanzende Collagen und Arbeiten voller Einsamkeit.
"Who is sleeping on my pillow":David Zwirner zeigt Nordström und Andersson

Mamma Andersson: "Pigeon House", 2010, Acryl und Öl auf Holz, 85 x 122 cm

Mehr als die Hälfte ihres Lebens haben sie bereits zusammen verbracht und arbeiten, jeder für sich in seinem Atelier, in ihren künstlerischen Parallelwelten. Die Arbeiten des schwedischen Ehepaars Mamma Andersson und Jockum Nordström mussten bis nach New York reisen, um das erste Mal in mehr als 20 Jahren in einer Ausstellung zusammenzufinden.

Es ist ein Familienprojekt, bei dem Sohn Valentin den Katalog gestaltete. Obwohl sich Andersson und Nordström in der Kunstwelt ihren Namen gemacht haben, sind sie im fernen Schweden mehr oder weniger unter dem Radar am Schaffen. Fernab von Kunstspektakeln, Trends oder dem Hype, der manchmal gern in Metropolen kreiert wird. Die voller Geschichten steckende Ausstellung bei David Zwirner ist eine der stillen Überraschungen dieser Kunstsaison.

Während ihr Mann Jockum Nordström seine Collagen tanzen lässt, erzählt die 1962 geborene Mamma Andersson in ihren Arbeiten von der Einsamkeit. Anderssons Bilder haben etwas von Filmausschnitten. So verwundert es nicht weiter, dass die Schwedin ursprünglich einmal Filme machen wollte. Ihre traditionell gehaltenen Arbeiten zeigen eine verlassene Küche, den menschenleeren Eingang zu einem Klassenzimmer, Kartons, die sich in einem Lagerraum stapeln, oder ein einsames Waldstück und erinnern mit der latent finsteren Stimmung, die über den verschwiegenen Momentaufnahmen hängt, an die Werke von Edvard Munch. Die wenigen Menschen, die ihre Bilder bevölkern, scheinen auf etwas in ihrem Leben zu warten oder sie verstecken sich davor, in dem sie wie in "Who is sleeping on my pillow", das den Titel der Ausstellung lieferte, den Kopf unter der Decke ihres Betts vergraben.

Stille und Musik

Die Künstlerin spricht von "der Eintönigkeit des Lebens", der Wichtigkeit, manchmal inne zu halten und für sich allein in eine Welt zu versinken, in der man die Langeweile des Alltages hinter sich lässt. "Es geht darum, auf etwas in Stille zu warten", sagt Mamma Andersson. Sie studierte am Royal University College of Fine Arts in Stockholm und wurde 2003 international bekannt, als sie Schweden auf der Biennale in Venedig vertrat. Zwei Jahre später hatte sie mit "The Undiscovered Country" im Hammer Museum von Los Angeles eine Solo-Show. 2007 organisierte das Moderna Museet in Stockholm eine Ausstellung, die weiter nach London reiste.

Ihr Mann Jockum Nordström ist derjenige in der Beziehung der beiden, der besser mit Worten jonglieren kann und eher die Musik als die Stille schätzt. Blues oder auch Zigeunermusik hätte er während der Arbeit gehört. Außerdem würde er die großen Orchester von Schweden in seinem Herzen tragen, so der Künstler. Seine Collagen vergleicht er mit der Tätigkeit eines Dirigenten, das Zeichnen damit, ein Instrument zu spielen. "Die Arbeiten handeln von Beziehungen zwischen Menschen, manchmal vom Abstand zwischen ihnen", erzählt Nordström. In der Vergangenheit schrieb und illustrierte der 46-jährige Kinderbücher, darunter die in Schweden beliebte Serie "Sailor and Pekka". Er arbeitete als Illustrator und gestaltete Cover von Musikalben. Er fertigt Möbel und baut zarte, aus Papier und Pappe bestehende Skulpturen. In der Ausstellung zeigt er ein Papphochhaus, das an die tristen Wohnsilos in den Vororten von Stockholm erinnert, die er vom Fenster seines Ateliers sehen kann.

Nordström begann mit Aquarellfarben und Gouache zu arbeiten, als er entdeckte, dass er allergisch auf Ölfarben reagiert. Sein Atelier liegt voller Elemente für seine Collagen, mit denen er auf seinen Bildern spielt. Wie bei seiner Partnerin erinnern auch die Farben in Nordströms Bildern an einen bedeckten Himmel und die langen, dunklen Nächte seines Heimatlands. Die beiden in einem ruhigen Vorort von Stockholm lebenden Künstler würden sich ein wenig verloren im Galerienreich von Chelsea fühlen, gestand Andersson. "Wir lassen uns vielleicht vier Galerien empfehlen, die wir besuchen. Alles andere ist uns zu viel." Dann reisen sie wieder zurück, in die Stille.

"Who is sleeping on my pillow"

Termin: bis 12. Juni, David Zwirner, New York
http://www.davidzwirner.com/

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