Zelluloid - Film ohne Kamera - Schirn Frankfurt

Filmstreifen mit Badesalz

Geritzt, vergraben, geätzt, mariniert - was Künstler alles mit Filmmaterial angestellt haben
Marinierter Film:Schirn zeigt Arbeiten mit Filmmaterial

"Zelluloid. Film ohne Kamera", Ausstellungsansicht

Auf frische Zubereitung legte Tony Conrad 1973 größten Wert. Sein "Sukiyaki" sollte unmittelbar vor dem Genuss angerichtet werden. Also nahm der Amerikaner Eierscheiben, Fleisch und Gemüse, legte einen Filmstreifen darin ein und projizierte ihn mit allen Zutaten, die daran klebten, auf die Leinwand.

Die Schirnkunsthalle zeigt nun eine ganze Reihe solcher Filme, die nicht mit konventionellen Geräten, sondern durch die direkte Bearbeitung des Filmstreifens mit Chemikalien, Lebensmitteln, Ritzwerkzeugen oder etwa durch Vergraben entstanden sind. Als ein Pionier gilt der Neuseeländer Len Lye, der in den dreißiger Jahren existierendes Material durch einen Spektografen in monochrome Farbbilder zerlegte und rhythmisch arrangierte.

Im amerikanischen Avantgardefilm der Nachkriegszeit tat sich vor allem Stan Brakhage mit Filmen hervor, die durch verschiedene technische Bearbeitungen als neuartige Form abstrakter Malerei interpretiert werden können. Dass sich auch heute noch Filmkünstler vom Zelluloid herausgefordert fühlen, belegen Arbeiten der Amerikanerin Jennifer West, die 2004 Kollegen bat, ein Stück Film in einem Gebräu ihrer Wahl, darunter Badesalz, Haarfärbmittel, Eiscreme oder Cola, zu "marinieren" und sogar Skateboarder über Filmstreifen fahren ließ.

"Zelluloid. Film ohne Kamera"

Termin: bis 29. August, Schirn Kunsthalle, Frankfurt/Main. Der Katalog erscheint im Kerber Verlag und kostet 28 Euro
http://schirn-kunsthalle.de/zelluloid/