Donald Judd - New York

Symbolischer Hammerschlag

Das Familienhaus von Donald Judd auf der Spring Street im New Yorker Stadtteil SoHo war ein Gesamtkunstwerk. Judds Tochter Rainer Judd gab den Startschuss für die Restaurierung des Hauses. Judd wäre diesen Monat 82 Jahre geworden.

Die wenigsten New Yorker wissen Donald Judds Verdienste wirklich zu schätzen. Sie haben es dem 1994 gestorbenen Bildhauer zu verdanken, dass der berühmte Stadtteil SoHo überhaupt noch steht.

Gemeinsam mit seiner Frau Julie und anderen Künstlern, die das damals heruntergekommene Industrieviertel und heutige Shopping-Mekka bewohnten, protestierte Judd Ende der sechziger Jahre mit Erfolg gegen die Pläne des Stadtplaners Robert Moses – der wollte eine zehnspurige Autobahn quer durch Downtown Manhattan bauen lassen.

Diesen Monat hätte Donald Judd seinen 82. Geburtstag gefeiert. Pünktlich zum Jahrestag schwang Tochter Rainer Judd symbolisch den Hammer, um den Startschuss für die Restauration des Familienhauses auf der Spring Street in SoHo zu geben. Ihr Vater hatte das fünfstöckige Gebäude 1968 für weniger als 70 000 Dollar gekauft. Es war das Jahr, als ihn das New Yorker Whitney Museum mit einer Retrospektive ehrte. Der den Minimalisten zugeordnete Judd, der sich selbst gegen diese Kategorisierung sträubte, arbeitete an Installationen, die ganze Räume füllten. Seine Karriere hatte er als Maler begonnen. Doch schnell stellte Judd fest, dass "Farbe nicht auf der flachen Oberfläche fortbestehen konnte".

Ein Haus als permanentes Gesamtkunstwerk

Er setzte bei seinen Skulpturen einfache Baumaterialien wie Metall, Sperrholz oder Beton ein und entwarf Möbel. Mit reduzierten, geometrischen Formen und dem Stilmittel der Wiederholung erforschte er Räumlichkeiten. 20 Jahre widmete Judd der Gesamtinstallation auf der Spring Street, zu der eigene Arbeiten, seine Möbel und Werke von Künstlern wie Marcel Duchamp, Claes Oldenburg, Ad Reinhardt und Frank Stella zählen. Ein Haus als permanentes Gesamtkunstwerk, in dem Judd mit Frau und beiden Kindern für einige Zeit lebte, bevor er Anfang der siebziger Jahre ein neues Haus, Land und später weitere Gebäude in Marfa, Texas, erwarb.

Judd war der Meinung, dass "die Bedeutung einer Arbeit zu häufig auf Grund von gedankenloser oder unpassender Platzierung" verloren geht. Daher widmete er der Installation oftmals ebenso viel Zeit wie der eigentlichen Entstehung. Kunst sollte nichts repräsentieren, sondern für sich stehen, also einfach existieren. Und so leuchteten über all die Jahre Dan Flavins Neonröhren aus den Fenstern im fünften Stock in SoHo, wo sich früher einmal das Schlafzimmer der Judds befunden hatte. Dan Flavin hatte die Lichtinstallation 1968 anlässlich der Geburt von Judds Sohn Flavin kreiert.

In Judds Welt sollen wieder die Türen geöffnet werden

In den nächsten drei Jahren sollen 1 300 der gusseisernen Fassadenteile des 1870 errichteten SoHo-Hauses restauriert werden. Auf 25 Millionen Dollar wurden die Kosten für die Arbeiten angesetzt, die Hälfte davon hat die Judd-Stiftung eingesammelt. Im Frühjahr 2013 sollen in Judds Welt wieder die Türen für Besucher geöffnet werden, wo der Prototyp aus Stahl für eine seiner Skulpturen ebenso an seinem alten Platz steht wie die minimalistischen Möbel im Kinderzimmer oder die Kaffeetassen und Bücher im Regal.

In der Zwischenzeit wurde die 13 000 Bücher umfassende persönliche Bücherei des Künstlers, der viele Jahre als Kritiker für Kunstmagazine gearbeitet hatte, online gestellt. Besucher können per Mausklick in den Regalen herumstöbern und sich die einzelnen Titel angucken. Bei Interesse werden sie mit einem Link zu einer Bücherei versorgt, die den jeweiligen Buchtitel ausleiht. Ob Mark Twains Erzählungen, Titel zur Geschichte der Azteken oder der Architektur der Renaissance. Judd, der als Kind die Encyclopaedia Britannica gelesen hat, sah in Büchern wichtige Werkzeuge, um den Verstand zu erweitern. Für Judds Fans ist die Sammlung wie ein Porträt des Künstlers.

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