Passion Fruits / Olbricht Collection - me Collectors Room Berlin

Selbstbewusste Verirrungen

Von Demut keine Spur: Thomas Olbricht hat sich und seiner skurrilen Sammlung ein protzig-luxuriöses Ausstellungshaus in Berlin-Mitte errichtet.
Selbstbewusste Verirrungen:Passion Fruits in Berlin

Ausstellungssaal im Erdgeschoss des neuen "me", links im Bild eine Geburtsliege aus dem afrikanischen Benin

Auf der Auguststraße sind Experimente rar geworden. Obwohl hier Kunst-Werke und Berlin-Biennale die Stellung halten, gibt es längst vitalere Kunstquartiere in der Hauptstadt. Großartig ist deshalb die Initiative des Sammlers Thomas Olbricht zu nennen, der einstigen Parademeile der Gegenwartskunst einen neuen Ausstellungsort mit 1300 Quadratmetern Präsentationsfläche zu schenken.

Doch schon lange vor der Eröffnung Anfang Mai war klar, dass es Probleme geben würde. Zu massiv schiebt sich der von Düttmann + Kleymann projektierte Neubau, der neben Ausstellungsräumen, Café und Souvenirladen auch Tiefgarage und Wohneinheiten beherbergt, in das architektonische Gefüge der Straße. Er sieht aus, als rammte ein klobiger Geländewagen zwischen zwei Minis in eine viel zu kleine Parklücke. Die Demut der Nachhut, die 20 Jahre nach dem Mauerfall in Mitte landet – sie müsste wirklich anders aussehen.

Doch das Thema des Essener Sammlers Olbricht ist das Leben mit all seinen euphorischen Glücksmomenten, Leidenschaften, Verirrungen und Fehlern. Insofern ist das Haus mit dem komischen Namen ("me") schon jetzt ein voller Erfolg. Niemanden lassen Hülle und Exponate kalt. Das gilt für die sogenannte "Wunderkammer", wo sich in stimmungsvoll ausgeleuchteten Vitrinen unglaublich fein gearbeitete anatomische Elfenbein-Lehrmodelle aus dem 17. Jahrhundert, Goldschmiedearbeiten und antike Raritäten neben Spielzeug-Feuerwehrautos oder einem ZDF-Mainzelmännchen finden. Und das gilt ebenso für die skurrilen Kombinationen der beiden Ausstellungshallen, wo etwa eine grelle chinesische Pop-Queen von Feng Zhengjie eine traurige Warhol-"Jackie" buchstäblich in den Schatten stellt.

Mit diesem Haus hat Berlin einen Ort, an dem Sammeln als unbändige Leidenschaft plastisch wird. Ein Ort, der von der Last der Freiheit erzählt und dem Zauber, der entsteht, wenn jemand sehr luxuriöse Verirrungen selbstbewusst zu einer öffentlichen Sache macht. Das ist der fragile Überbau des Olbricht-Hauses: Unfall und Glücksfall halten sich die Waage.

"Passion Fruits picked from the Olbricht Collection"

Termin: bis 12. September, me Collectors Room, Berlin
http://www.me-berlin.com/#/ausstellungen

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