Roy Lichtenstein - Köln

Meisterwerk und Schnulze

Das Museum Ludwig zeigt den Pop-Art-Künstler als Interpret der Klassischen Moderne. Roy Lichtenstein gab Mondrian in einem Stillleben die Gegenständlichkeit zurück und ließ blonde Schönheiten surreale Tränen weinen.

Man könnte über Roy Lichtensteins berühmten Comicbildern beinahe vergessen, dass er nicht allein als ironischer Liebhaber der banalen Massenproduktion bekannt wurde, sondern auch als Parodist der gestischen Malerei. Für seine frühen "Brushstroke"-Gemälde projizierte er grobe Pinselstriche auf die Leinwand, malte sie minutiös nach und machte sich damit über die intellektuelle "Aufgeblasenheit" des Abstrakten Expressionismus lustig.

Neben Comics und Werbegrafiken verwandelte er außerdem zahlreiche moderne Klassiker der Malerei in überlebensgroße Schnulzen. Er tauchte die "impressionistische" Kathedrale von Rouen in einfarbiges Licht, gab Piet Mondrian in einem Stillleben die Gegenständlichkeit zurück, ließ blonde Schönheiten surreale Tränen weinen und kreuzte Picasso mit sich selbst. Die Idee dahinter ist nicht unbedingt originell, aber sie trifft den Kunstbetrieb ins Herz: Sobald sich ein Malstil durchsetzt und millionenfach vervielfältigt wird, ist er nicht weniger trivial als die Gebrauchskunst aus den Illustrierten. In letzter Konsequenz hätte Lichtenstein irgendwann anfangen müssen, sich selbst zu parodieren. Doch vertraute er nicht zu Unrecht darauf, dass dies mit der Zeit von ganz allein geschieht.

Das Museum Ludwig stellt nun unter dem Titel "Kunst als Motiv" den parodistischen Lichtenstein als eigenwilligen Interpreten der modernen Kunstgeschichte vor. Rund 100 überwiegend großformatige Gemälde sowie einige Zeichnungen und Skulpturen sind in Köln zu sehen, darunter ein durch die Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung angekauftes Lichtenstein-Spätwerk. Als Ergänzung sei ein Gang durch die ständige Sammlung des Museums empfohlen. Hier lassen sich die originalen Stile mit den Nachahmungen vergleichen, und vielleicht entdeckt man dabei, dass den Pop-Künstler im Grunde die Melancholie des Zuspätgekommenen antrieb.

"Roy Lichtenstein. Kunst als Motiv"

Termin: bis 3.Oktober, Museum Ludwig in Köln. Der Katalog erscheint im DuMont Buchverlag und kostet im Museum 35 Euro, im Buchhandel 49,95 Euro
http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig/

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