Italienische Botschaft - Berlin

Unruhe im Diplomatenhaus

Visa beantragen, Pass verlängern, Kunst gucken: Die italienische Botschaft in Berlin zeigt in ihren Repräsentationsräumen am Tiergarten jetzt junge Künstler aus Italien.

Lange Zeit lag die verfallene italienische Botschaft in Berlin im Dornröschenschlaf. Erst vor sieben Jahren zogen Roms Diplomaten wieder in den restaurierten Prachtbau ein, den die Nazis 1939 als Geschenk an den "Duce" erbauen ließen und der im zweiten Weltkrieg teilweise zerstört worden war.

Auch heute verströmt die Inneneinrichtung mit Renaissance-Gemälden und Murano-Lüstern eher konservatives Flair. Um so mehr über­rascht die Entscheidung des Botschafters Michele Valensise und seiner Frau Elena, zeitgenössische italienische Kunst ins hohe Haus zu holen. Ein zweijähriges Projekt in Zusammenarbeit mit dem italienischen Kulturinstitut und kuratiert von Alessandra Pace und Marina Sorbello sieht wechselnde Ausstellungen mit italienischen Künstlern vor, die in Berlin leben. Zum Auftakt wurden neun ausgewählt, darunter Patrick Tuttofuoco, dessen mannshohe Maske aus Glasfaser das Büro des Botschafters bewacht, und Armin Linke, dessen beiläufige Landschaftsfotos sich im Salon neben vergoldeten Spiegeln und dekorativem Porzellannip­pes behaupten.

In der Säulenhalle hängt ein über fünf Meter breites weißes Transparent, eng bedruckt mit schwarzem Text. "Ich war's. Tagebuch 1900-1999" ist eine Arbeit von Daniela Comani, die hier geschichtliche Ereignisse des letzten Jahrhunderts in Ich-Form nacherzählt. Gianluca Malgeri, ein früherer Assistent von Olafur Eliasson, verwandelt einen langen Flur mit Zweigen, die wie Hirschgeweihe aus der Wand zu wachsen scheinen, in ein "Trophäenzimmer". Die merkwürdigste Performance liefert Simone Berti mit seinem temporären Denkmal "Die Bäuche". Zur Vernissage schritten drei schwarz gekleidete, hoch schwangere Frauen mit surealistischen Kopfbedeckungen aus Aluminium, Zement und Stahl durch die Botschaftsräume. Für den Rest der Ausstellung sind die Ad-Hoc-Skulpturen nun im Speisezimmer zu bewundern – allerdings ohne ihre rundbäuchigen Trägerinnen.

Über die Künstlerauswahl lässt sich sicher streiten. Doch die Idee an sich, verstaubte Ländervertretungen für zeitgenössische Kunst zu öffnen, ist reizvoll. So wird die Botschaft zum lebendigen Kulturvermittler und nicht nur zur Stelle für lästige Visa-Formalitäten. Um die ungewöhnlichen Kunstinterventionen zu besichtigen, muss man sich vorher nur anmelden (Tel. 0 30  2 54 40-2 24).

"Italiens junge Kunst in der Botschaft"


http://www.ambberlino.esteri.it/Ambasciata_Berlino